Wirtschaft : Geldsegen für Aktionäre

Die 30 Dax-Firmen schütten 40 Prozent mehr aus als 2004 – gemessen am Gewinn ist das trotzdem wenig

Henrik Mortsiefer

Berlin - Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2004 zahlt sich auch für die Aktionäre der 30 Dax-Unternehmen aus: Nachdem viele der im Deutschen Aktienindex notierten Konzerne im vergangenen Jahr glänzend verdient haben, schütten sie nun nach Tagesspiegel-Berechnungen zusammen knapp 15 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Das sind 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Der Anstieg der Dividenden fällt allerdings deutlich geringer aus als der Gewinnsprung des vergangenen Jahres: So stiegen die Jahresüberschüsse der Dax-Firmen 2004 in der Summe um 117 Prozent auf 35,7 Milliarden Euro. Am Arbeitsmarkt ging die erfreuliche Entwicklung vorbei: Die Dax-Unternehmen bauten in Deutschland 35000 Stellen ab (siehe Tagesspiegel vom 24. März).

21 der 30 Dax-Firmen haben die Dividende in diesem Jahr erhöht, fünf lassen sie unverändert, drei nehmen die Zahlung nach einer Pause wieder auf. Nur die Aktionäre der Hypo-Vereinsbank und des Halbleiterkonzerns Infineon gehen – wie im Vorjahr – leer aus.

„Wir sind alles in allem zufrieden“, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre (DSW). Von den Wunschvorstellungen der Aktionärsvertreter sind die größten deutschen Unternehmen trotzdem noch weit entfernt. „Die Hälfte des Gewinns sollte an die Anteilseigner ausgekehrt werden“, sagte Kurz. „Im Dax sind es im Schnitt aber nur rund 36 Prozent.“ Die DSW verweist auf das Aktiengesetz, das in Paragraf 58 vorschreibt, dass die Hauptversammlung über die Verwendung von „50 Prozent des operativen Gewinns“ entscheiden soll.

Diese Soll-Vorschrift hat die Deutsche Telekom in diesem Jahr deutlich übererfüllt: Sie liegt mit einer Ausschüttungsquote von rund 70 Prozent unangefochten an der Spitze der spendablen Konzerne. Knapp 2,6 Milliarden Euro schüttet der Telefon-Konzern an seine Aktionäre aus, nachdem sie im Vorjahr auf eine Dividende verzichten mussten. Auf den Plätzen folgen der Energiekonzern Eon (1,55 Milliarden Euro) und Daimler-Chrysler (1,52 Milliarden Euro). Die beiden waren auch 2004 neben Siemens die größten Dividendenzahler. Allein auf die drei Spitzenreiter entfallen in diesem Jahr gut 38 Prozent der 14,7 Milliarden Euro, die von den Dax-Unternehmen insgesamt verteilt werden.

Den Dividendensegen der Telekom erklärt sich DSW-Sprecher Kurz allerdings nicht nur mit Großzügigkeit und guten Gewinnen. „Da war der Bund als Großaktionär die treibende Kraft.“ 38 Prozent der Telekom-Aktien befinden sich nämlich noch in öffentlicher Hand. Finanzminister Hans Eichel (SPD) kassiert deshalb 982 Millionen Euro Dividende. Überhaupt sind die privaten Aktionäre nicht die größten Profiteure der Ausschüttungspolitik deutscher Konzerne. „Das meiste nehmen institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Investmentgesellschaften ein“, sagt Herbert Hansen, Wirtschaftsberater und Dividendenexperte aus Wiesbaden. „Der Anteil der Privatanleger an deutschen Börsenunternehmen liegt bei 16 bis 17 Prozent.“

Zudem ist die hohe Anzahl der Dax-Firmen, die eine Dividende zahlen, nicht repräsentativ für die deutsche Wirtschaft insgesamt. „61 Prozent aller börsennotierten Unternehmen haben dieses Jahr überhaupt keine Dividende gezahlt“, sagt Hansen. 2004 seien es 64 Prozent gewesen. Dies sei im historischen und internationalen Vergleich „erschreckend“. In früheren Jahren habe der Anteil der Dividendenverweigerer nur bei 20 bis 25 Prozent gelegen. „Das wird in der aktuellen Euphorie leicht vergessen“, beklagt der Experte.

Dennoch: 15 Milliarden Euro Ausschüttungsvolumen im Dax zeigen, dass die Dividende ihr Comeback geschafft hat. In den Boomjahren 1999/2000 zählten für Aktionäre nur Kursgewinne. Und in den Crash-Jahren danach waren Dividenden nicht in der Lage hohe Kursverluste auszugleichen. Seit sich der Aktienmarkt wieder erholt, kalkulieren Anleger wieder mit der – relativ verlässlichen – Größe. Zu Recht: So erzielt zum Beispiel die Daimler-Chrysler-Aktie aktuell eine Dividendenrendite von 4,6 Prozent.

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