Wirtschaft : Geldsegen für Bewag-Aktionäre

BERLIN (dw).Berlins Energieversorger Bewag hat seinen Aktionären am Montag das beste Ergebnis der gesamten Firmengeschichte präsentiert.Trotzdem zeigten sich die im Internationalen Congreßzentrum versammelten Anteilseigner besorgt über die Zukunft: Das Kerngeschäft Strom und Wärme ist rückläufig, die Konkurrenz wächst und der Aufbau neuer Geschäftsfelder kommt nicht recht in Gang.

Dietmar Winje, Vorstandsvorsitzender der Bewag, legte auf der Hauptversammlung einen Jahresrückblick vor, der die Herzen der Kleinaktionäre wohl erwärmen konnte: Der Bilanzgewinn verdoppelte sich auf 224 Mill.DM, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verzeichnete ein dickes Plus von fast 150 Mill.DM.Auch mit der Ausgabe von Gratisaktien und der Verdopplung des Aktienkurses in den letzten zwölf Monaten waren die Kleinaktionäre, die rund 26 Prozent der Bewag-Anteile halten, sehr zufrieden.Trotzdem hielt sich die Begeisterung in Grenzen.Den Grund brachte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre auf den Punkt: "Das gute Ergebnis wurde vor allem durch Einsparungen erzielt.Und diese Wachstumsquelle wird bald versiegen." Tatsächlich beruht das gute Ergebnis vor allem auf Kostenreduzierung.Beim Material wurden 200 Mill.DM eingespart, bei den Sachinvestitionen 278 Mill.DM.Der Umsatz des Kerngeschäfts ist hingegen rückläufig.Die Erträge sanken um sechs Prozent auf 4,3 Mrd.DM.Die Erlöse im Stromgeschäft gingen um 2,7 Prozent zurück.Der Wärmeabsatz fiel gar um 10,2 Prozent.An Umsatzwachstum glaubt auch Winje nicht.Man werde "im Gegenteil sogar Marktanteile an andere Unternehmen verlieren." Es träten etablierte Energieversorger als "neue, ernstzunehmende Konkurrenten" auf, die "aggressive Akquisitionspolitik betreiben".

Anstatt Alternative aufzuzeigen, gab sich Winje freilich defensiv: Die Bewag werde die Braunkohle-Schutzverordnung nutzen und konkurrierenden Stromanbietern "die Durchleitung verweigern", erklärte er.Als Ziele nannte er lediglich "noch stärkere Kundenorientierung" und "verbessertes Markenprofil".Textpassagen aus seinem Redemanuskript, die sich auf die Erschließung neuer Geschäftsfelder beziehen, ließ der Bewag-Chef in seinem Vortrag aus.

Irritiert fragten Vertreter der Kleinaktionäre nach, was denn aus den Bereichen geworden sei, die noch vor einem Jahr als die Wachstumsträger der Zukunft gepriesen worden waren: Telekommunikation, Stromhandel, Entsorgung, Immobilienmanagement, Osteuropa-Beteiligungen? Und was verspreche sich die Bewag von der Beteiligung an der noch jahrelang defizitären Gasag und den Berliner Wasserbetrieben?

Viel Ermutigendes konnte der Vorstand nicht entgegnen.Es hagelte Absagen: Aus dem Entsorgergeschäft sei man "ausgestiegen".Beim Stromhandel seien "die Überlegungen noch im Werden".Der Bereich Energiemanagement erziele "nur geringe Umsätze".Im Telekommunikationsprojekt Düne werde man erst "in zwei Jahren nähere Kenntnisse" haben.Über Synergien der Gasag-Beteiligung seien "spezifische Aussagen nicht möglich".Bei den Wasserbetrieben verhalte man sich aus Informationsmangel "abwartend".Die Immobilienmanagement GmbH solle "Ende des Jahres geschlossen" werden.Das Drittgeschäft der Datenverarbeitungstochter BerlinDat sei "noch nicht zufriedenstellend."

Immerhin: In den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe sich "die gute Entwicklung fortgesetzt", so Winje.Das Ergebnis nach Steuern habe sich um elf Mill.auf 59 Mill.DM erhöht.Auch im nächsten Jahr, so Winje zuversichtlich, könne die Bewag wieder eine Dividende von einer DM pro 5-DM-Aktien zahlen.

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