Wirtschaft : Geldticker: Der Kabel-Verkauf verzögert sich

dri/HB

Der Verkauf des Fernsehkabels der Deutschen Telekom an den US-Medienkonzern Liberty Media verzögert sich. Nach Informationen aus dem Umfeld des US-Konzerns will Liberty-Präsident John Malone vor Unterzeichnung der Kaufverträge Zusagen der Bundesregierung darüber bekommen, dass Liberty in Deutschland keine Probleme mit dem Bundeskartellamt bekommt und zusätzlich zu dem Telekom-Kabel weitere kleinere Netz-Anbieter aufkaufen kann. Dies wird Malone Mitte September in Berlin mit Bundeskanzler Gerhard Schröder besprechen. Malones Ziel sei die Zusicherung der Bundesregierung, im Falle eines Übernahmeverbots durch das Kartellamt eine Ministererlaubnis zu bekommen. Die Kreise berichten auch, dass Liberty mit einem Rückzug von dem verabredeten Kauf in Höhe von fünf Milliarden Dollar droht. Für die Telekom, deren Kurs seit zwei Wochen auf immer neue Tiefstände sinkt, wäre das eine weitere schlechte Nachricht: Ihr Schuldenabbau, für den die Kabelmilliarden in diesem Jahr fest eingeplant sind, würde sich verzögern.

Die Telekom hatte erstmals im Februar angekündigt, ihre restlichen sechs Kabel-Regionalgesellschaften, die etwa 40 Prozent des deutschen Kabelmarktes ausmachen, an Liberty verkaufen zu wollen. Die Unterzeichnung der Kaufverträge sollte Ende Juli sein. Gestern sagte ein Telekom-Sprecher, dass die Verhandlungen "gut laufen und in den nächsten Wochen abgeschlossen" werden sollen, ähnlich äußert sich Liberty offiziell. Im Jahr 2000 hatte die Telekom ihre nordrhein-westfälische Tochtergesellschaft an den US-Investor Richard Callahan verkauft. Das Hessen-Kabel ging an die britische Kabelgruppe NTL.

Das Bundeskartellamt wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen, weil der geplante Kabelverkauf noch nicht angemeldet sei. Zu erfahren war allerdings, dass es Bedenken gegen Liberty geben könnte, weil das Unternehmen nicht nur Kabelnetze betreibt, sondern auch zahlreiche Beteiligungen an Mediengesellschaften wie der News Corp. des australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch und Filmproduzenten in den USA hält.

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