Wirtschaft : Geldticker: Stühlerücken bei der Commerzbank

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Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller greift vier Monate nach seinem Amtsantritt angesichts der schwachen Ertragslage seines Hauses durch: Zwei der zehn Vorstandsmitglieder sollen das Unternehmen verlassen, bis zu 4000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Dies jedenfalls verlautete am Mittwoch aus Kreisen der Bank. Am kommenden Montag soll der Aufsichtsrat den Sanierungsplan absegnen. Pressesprecher Peter Pietsch nannte die Aussagen am Mittwoch "reine Spekulation", bestätigte aber indirekt den Personalabbau, ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen. Vorstandssprecher Müller, der nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der italienischen Unicredito Mitte September noch stärker unter Druck geraten ist, hatte schon im August die Stellenkürzungen angedeutet. Er hatte aber nicht gesagt, wie viele der derzeit weltweit rund 39 000 Mitarbeiter, davon 32 000 in Deutschland, weichen müssen. "Wer den Kurs der Bank nicht mitgeht, wird nächstes Jahr nicht mehr dabei sein."

Dazu zählen offenbar in jedem Fall die beiden Vorstandsmitglieder Norbert Käsbeck und Heinz Hockmann. Käsbeck verantwortet das Privatkundengeschäft, Hockmann die Vermögensverwaltung. In beiden Geschäftsfeldern war das Ergebnis in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zu 2000 eingebrochen: Im Privatkundengeschäft wurde aus einem Gewinn von 623 Millionen Euro ein Verlust von 28 Millionen Euro, in der Vermögensverwaltung wandelte sich ein Überschuss von 51 Millionen Euro in ein Minus von 48 Millionen Euro. Es waren die einzigen Bereiche, die im ersten Halbjahr Verluste eingefahren haben. Offenbar müssen Käsbeck und Hockmann jetzt die Verantwortung dafür übernehmen.

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