Wirtschaft : Geldwäsche: Cedel unter Verdacht

Das luxemburgische Clearing-Unternehmen Cedel hat nach einem Bericht der Pariser Zeitung "Le Figaro" in den 90er Jahren ein Geheimkontensystem aufgebaut, das möglicherweise im großen Stil zur Geldwäsche genutzt wurde. Es könnte sich bei dem Kontensystem um "die größte Geldwaschmaschine der Welt" handeln, berichtete die Zeitung am Montag. Anfang 2000 sollen 8000 Geheimkonten bei der Luxemburger Firma bestanden haben, darunter von kolumbianischen und russischen Banken, aber auch vom französischen Geheimdienst DGSE. Cedel fusionierte 1999 mit einer Tochter der Deutschen Börse in Frankfurt am Main zu Clearstream. Nach Angaben der Zeitung bestanden 1995 genau 57 Geheimkonten französischer Banken und Regierungsstellen, darunter der Notenbank und des DGSE. Die meisten Geheimkonten stammten aus Großbritannien, gefolgt von Luxemburg, den USA, Italien und dem Iran. Die Geheimkonten sind "Zusatzkonten" die ursprünglich nur Eigentümern von regulären Hauptkonten erlaubt waren. Als Kontoinhaber waren eigentlich nur Banken zugelassen, diese Regel sei jedoch aufgeweicht worden, berichtet der "Figaro".

Cedel wurde 1970 gegründet und ging 1999 durch Fusion mit der Deutschen Börse Clearing in Clearstream auf. Als "Clearing" wird die Zentralverwaltung von Sicherheiten von Banken und anderen Finanzdienstleistern bei einer Clearingbank bezeichnet, durch die der internationale Handel mit Aktien, Fonds und Obligationen erleichtert wird. Ein Clearstream-Sprecher dementierte im "Figaro" die Anschuldigungen und erklärte, die Aktivitäten der Firma entsprächen den geltenden Finanzgesetzen in Luxemburg. Die Angaben des "Figaro" gehen zu weiten Teilen auf die Ermittlungen des in Trier geborenen Ex-Bankers Ernest Backes zurück, der am Aufbau der Cedel wesentlich beteiligt war und 1983 entlassen wurde.

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