Geldwäsche in Europa : Neuer Fünf-Euro-Schein in voller Blüte

Im ersten Halbjahr haben Geldfälscher europaweit deutlich mehr Blüten in Umlauf gebracht. Auch am neuen Fünfer haben sie sich schon versucht – beliebter sind aber größere Scheine.

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Welcher ist echt, welcher eine Blüte? Die falschen Fünfer sollen recht einfach zu erkennen sein.
Welcher ist echt, welcher eine Blüte? Die falschen Fünfer sollen recht einfach zu erkennen sein.Foto: dpa

Das größte Risiko, mit Falschgeld in Berührung zu kommen, liegt nach Angaben von Bundesbank-Bargeld-Chef Helmut Rittgen im Einzelhandel. Mitunter flattern Blüten aber auch über die Autobahn – wie am Donnerstag auf der A 66 zwischen Frankfurt und Wiesbaden an der Ausfahrt Frankfurt-Höchst. Einige Autofahrer hielten an, um sich 100er, 200er und 500er Euro-Noten zu sichern. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei sammelten Banknoten im Wert von 16.500 Euro ein. Schnell stellte sich heraus, dass alle gefälscht waren.

Im ersten Halbjahr 2013 haben Geldfälscher deutlich mehr Blüten in Umlauf gebracht als im Vorjahr. Von Januar bis Juni wurden weltweit 317.000 falsche Euro-Scheine aus dem Verkehr gezogen. Das waren 13,2 Prozent mehr als in der zweiten Jahreshälfte 2012 und sogar 26,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2012.

Die EZB bemühte sich in ihrem am Freitag vorgelegten halbjährlichen Falschgeld-Bericht, diese Entwicklung zu relativieren: 2012 sei die Zahl der gefälschten Euro-Banknoten besonders niedrig gewesen, die aktuellen Zahlen lägen auf dem Niveau der letzten Jahre und niedriger als etwa 2010. Im ersten Halbjahr 2010 hatte die EZB sogar 387 000 falsche Euro-Noten sichergestellt.

In Deutschland beträgt der Schaden gut eine Million Euro

EZB und Bundesbank betonten, es sei nach wie vor sehr unwahrscheinlich, einen falschen Geldschein untergejubelt zu bekommen. In Deutschland entfielen im ersten Halbjahr rechnerisch rund fünf falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner. Europaweit lag dieser Wert bei 19. Nach EZB-Angaben wurden 98,5 Prozent der Fälschungen in der Eurozone sichergestellt, 1,2 Prozent in anderen EU- Staaten sowie 0,3 Prozent in Ländern außerhalb Europas. Rund 19.500 Blüten sammelte die Bundesbank im ersten Halbjahr in Deutschland ein, das waren 13,6 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2012.

Kriminelle richteten mit Falschgeld von Januar bis Juni einen Gesamtschaden von 16 Millionen Euro an. In Deutschland blieb der Schaden durch Falschnoten mit etwa 1,1 Millionen Euro im Grunde unverändert. „Die Schadenshöhe ist seit 2011 stabil“, erklärte Helmut Rittgen, Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Deutschen Bundesbank.

Obwohl die Zahl der Blüten im Verhältnis zu den durchschnittlich umlaufenden 15,1 Milliarden echten Euro-Banknoten gering ist, solle man bei Bargeldgeschäften dennoch aufmerksam sein. Denn wer Betrügern auf den Leim geht und Falschgeld entgegen nimmt, bleibt auf dem Schaden sitzen. Ersatz gibt es dafür nach Angaben der Bundesbank nicht.

Kassierer bei Banken werden geschult

Besonders beliebt bei Fälschern sind nach wie vor 20er- und 50er-Scheine. Insgesamt entfielen im ersten Halbjahr 38 Prozent der Blüten auf 20er- und 44 Prozent auf 50er-Euro-Scheine. In Deutschland lagen die entsprechenden Anteile bei 41 Prozent (7936 falsche 20er Noten) und 39 Prozent (7647 falsche 50er).

In Deutschland wurden der Bundesbank zufolge zwischen Januar und Juni auch rund 28.500 gefälschte Münzen aus dem Verkehr gezogen, rund 1000 weniger als in der zweiten Jahreshälfte 2012. Rund 80 Prozent waren nachgemachte Zwei-Euro-Stücke.

Die positive Entwicklung in Deutschland führt Bundesbanker Rittgen vor allem auf die gute Präventionsarbeit zurück, die hierzulande offenbar besser organisiert ist als in anderen Ländern. Die Bundesbank hat in den vergangenen Jahren Rittgen zufolge die Anstrengungen zur Schulung von Kassiererinnen und Kassierern im Einzelhandel sowie von Bedienungen in Hotels und in Gaststätten und Restaurants verstärkt. Die Programme zielen auch auf Berufseinsteiger.

Kommendes Jahr kommt der neue Zehner

Mit der Einführung der neuen Euro-Banknoten-Serie „Europa“, die im Mai mit der Ausgabe der neuen Fünf-Euro-Scheine begonnen hat, sollen Fälschungen aufgrund neuer Sicherheitsmerkmale wie einem verbesserten Wasserzeichen und einem Hologrammband am Rand der Scheine sowie einem Überzug mit einem Speziallack noch schwerer zu fälschen sein.

Allerdings sind bei der Bundesbank bereits einige Fälschungen der neuen Fünfer eingegangen. Dem Vernehmen nach sollen die Blüten aber schlecht sein. Im kommenden Jahr soll der neue Zehner und ein Jahr später der neue 20er-Schein kommen.

Nach wie vor operieren viele Fälscher offenbar aus Ost- oder Südosteuropa heraus. So flog im Juni in Wien eine Fälscherbande aus Serbien auf. Rund 3500 Euro-Blüten, vor allem 100er, im Wert von rund 370.000 Euro wurden dabei sichergestellt.

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