Wirtschaft : Geldwäsche: Liechtenstein bleibt eine Alpenfestung (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Liechtenstein steht am Pranger. Das Fürstentum in den Alpen ist von der internationalen Staatengemeinschaft als Eldorado der Steuerhinterzieher und der Geldwäscher ausgemacht worden und will diesen Makel loswerden. Also hat man in Vaduz reagiert, und eine Regel beschlossen, derzufolge die Banken in Zunkunft ihre Sorgfaltsprüfung ausdehnen sollen. Künftig werden sie auch gegenüber Treuhändern und Anwälten auf der Offenlegung der Kundenbeziehungen bestehen. Für die Zunft der Intermediäre wird es also nicht mehr möglich sein, für einen anonymen Kunden ein Konto bei einer liechtensteinischen Bank zu eröffnen. Den schlimmsten Auswüchsen ist damit vielleicht ein Riegel vorgeschoben, und auch international lässt sich diese Neuerung gut verkaufen. Doch was ändert sich wirklich?

Der Kodex gilt nur für die 16 liechtensteinischen Institute. Ein nicht unbedeutender Teil des Geldes, das von liechtensteinischen Stiftungen gehalten wird, fließt aber über die Schweiz. Das Geld kommt in Zürich, Chiasso oder Genf an, die Schweizer Bank schlägt dann beispielsweise vor, eine Stiftung in Vaduz als Kontoinhaber einzusetzen. Und selbst wenn der Name des wahren Kontoinhabers einer liechtensteinischen Bank bekannt wird, die deutschen Finanzämter können davon nicht profitieren. Das Bankgeheimnis bleibt gewahrt, und dies besonders bei allen Vorgängen, die mit Steuern zu tun haben. Allenfalls bei kriminellen Delikten lassen sich die Gelder in Zukunft schneller aufspüren. Die Noriegas und Marcos dieser Welt können ihr Geld nicht mehr so leicht verstecken. Für den Bundesbürger, der sein Geld vor dem Finanzbeamten verborgen hält, ändert sich de facto nichts. Liechtenstein bleibt eine Alpenfestung.

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