Wirtschaft : Geldwäsche: Saubere Wäsche für dreckiges Geld

Hermannus Pfeiffer

An der spanischen und französischen Mittelmeerküste steigen die Immobilienpreise mit zweistelligen Zuwachsraten. "Ein typisches Zeichen für Geldwäsche", behauptet Fausto Cattaneo. Der Schweizer Kriminalexperte arbeitete jahrelang als Undercover-Agent der Schweizer Polizei, schlich sich in globale Drogenkartelle ein und verfolgte die Geldwäsche schmutziger Millionen. Das FBI und das deutsche Bundeskriminalamt dankten ihrem eidgenössischen Kollegen dafür mit Orden. Am meisten Sorgen bereitet Cattaneo die schleichende Legalisierung der Ökonomie des Verbrechens. Beispielsweise schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF) den kriminellen Ertrag pro Jahr auf 590 bis 1500 Milliarden Dollar - je nach Definition von kriminellem Schwarzgeld. Dieses schwarze Geld - erwirtschaftet mit Drogen und gewaltsamer Prostitution, mit Waffenschmuggel und Umweltkorruption - muss weiß gewaschen werden, damit es für die Gangster brauchbar wird.

Wie Schwarzgeld weiß wird

Die typische Geldwäsche funktioniert dann als Kreislauf. Der Geldwäscher kann beispielsweise ein angesehener Geschäftsmann, Rechtsanwalt oder Wirtschaftsprüfer sein. In seinem Auftrag schmuggeln professionelle Kuriere das in mehrere Portionen gestückelte schwarze Geld in die Schweiz (oder nach Liechtenstein, Luxemburg und notfalls in eine Finanzoase mit noch lascherer Finanzaufsicht). Die Kuriere schlüpfen durch das Netz des Zolls oder schmuggeln das Geld wie Rauschgift im Benzintank, im Diplomatengepäck oder im doppelten Boden eines versiegelten Transitlastwagen.

Im Zielland Schweiz angekommen, deponiert es ein weiterer "bürgerlicher" Mittelsmann auf ein Bankkonto, etwa in Zürich. Damit ist das Geld zumindest grau und es ist in den legalen Finanzkreislauf eingespeist. Aber professionelle Geldwäscher belassen es nicht dabei. Sie jagen das graue Geld lieber noch ein wenig über den Globus und überweisen es in mehrere Länder und wieder zurück nach Zürich. Dort wird das frische Kapital in ein Unternehmen investiert, das im Gegenzug an den ursprünglichen Besitzer des Schwarzgeldes einen Kredit verleiht. Das Geld ist nun weiß gewaschen, und Zinsen für den Kredit können sogar dem Fiskus als Investitionskosten steuermindernd in Rechnung gestellt werden.

"Dies zu beweisen ist sehr, sehr schwer," sagt Cattaneo. "Es ist praktisch unmöglich." Aber eben doch nicht ganz. Darum wurde der Endfünfziger einst eine Art 007 der schweizerischen Polizei. Cattaneo ist überzeugt davon, dass die Organisierte Kriminalität (OK) durch das ökonomische Gewicht ihrer kriminellen Milliarden und durch die Geldwäsche immer tiefer in die normale Wirtschaft hineinwuchert und mit ihr verschmilzt. Diesen Prozess habe auch das erst 1993 geschaffene Geldwäschegesetz nicht gebremst. Mehr oder weniger handfeste Belege für diesen Wucherungsprozess gibt es viele. Cattaneo nennt in seinem demnächst erscheinenden Buch "Deckname Tato" unter anderem Schweizer und deutsche Banken als Helfer, und die Anti-Betrugseinheit der EU-Kommission hat die Tabakkonzerne Reynolds und Philip Morris wegen organisiertem Zigaretten- und Drogenschmuggel mit anschließender Geldwäsche angeklagt.

Verwickelt in die Geldwäsche sind jedoch nicht allein Topmanager und Konzerne, sondern auch Pizzabäcker und Reisebüros, Im- und Exportfirmen, Scheinbanken, Sicherheitsdienste und Finanzmakler, Baufirmen und Wertpapierhändler. Die Schuld daran tragen auch Politiker. "Organisierte Kriminalität funktioniert nur durch die Unterstützung der Politik," sagt Cattaneo, der immerhin eine Schweizer Bundesrätin (Ministerin), Elisabeth Kopp, einst zum Rücktritt zwang. "Dabei mangelt es nicht an schärferen Gesetzen, sondern an deren Ausführung." Ermittler würden oft gebremst, wenn sie in hohe Kreise der Gesellschaft vordringen, die internationale Vernetzung der Polizeibehörden hinke der Zeit hinterher. Obendrein würden Polizei und Zoll gegen die High-Tech-Kriminalität materiell nur ungenügend ausgerüstet - auch in Deutschland.

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