Geldwäsche und Finanzbetrug : Banker Gottes unter Verdacht

Verdacht auf Geldwäsche: Italienische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vatikan wegen einer Überweisung nach Deutschland.

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In Bedrängnis. Ettore Gotti Tedeschi ist seit September 2009 im Amt. Foto: dpa
In Bedrängnis. Ettore Gotti Tedeschi ist seit September 2009 im Amt. Foto: dpaFoto: dpa

Eigentlich wollte das „Institut für Religiöse Werke“ (IOR) aus den Schlagzeilen kommen. Bis Jahresende, so hatte der Vatikan versprochen, würden er und seine Bank mit dem klangvollen Namen die EU-Vorschriften gegen Geldwäsche und Finanzbetrug übernehmen und damit nach Jahrzehnten der Geheimniskrämerei und der Skandale von der schwarzen Liste verdächtiger Staaten verschwinden.

Doch kurz vor Abschluss der für den Vatikan revolutionären „Operation volle Transparenz“ haben nun die italienischen Staatsanwälte zugeschlagen – und zwar so hart wie noch nie: In einer sogenannten Dringlichkeitsaktion haben sie nicht nur verhindert, dass der Vatikan 20 Millionen Euro an die deutsche Zentrale der US-Bank JP Morgan und drei Millionen an eine italienische Bank überwies. Sie haben das Geld auch noch beschlagnahmt. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Mittwoch. Zudem haben sie Ermittlungen gegen Ettore Gotti Tedeschi, den Präsidenten der Bank, und Generaldirektor Paolo Cipriani eingeleitet – wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Der Vatikan, so lässt Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone erklären, sei „bestürzt und verwundert“ über den Zugriff der Staatsanwaltschaft, stehe jedoch weiterhin mit „größtem Vertrauen“ zu seinen Chefbankern. Gotti Tedeschi selbst fühlt sich „zutiefst erniedrigt“ und spricht von einem „Missverständnis“: „Wir haben doch alle nötigen Dokumente bei der italienischen Nationalbank eingereicht“, gibt er sich verwundert.

Im aktuellen Fall jedoch fehlten die entscheidenden Angaben zu Herkunft, Ziel und Zweck der Millionen. Das Geld lag bei einer handwerklichen Genossenschaftsbank auf einem IOR-Konto, das aber wegen Unklarheiten seit April gesperrt war. Als der Vatikan im September trotzdem die Überweisungen durchdrücken wollte, erinnerte sich die Handwerksbank an ein Rundschreiben der italienischen Finanzaufsicht vom Januar, dem zufolge das IOR genauso „verstärkt zu kontrollieren“ sei wie „eine Bank von außerhalb der EU“. Die Bank erkundigte sich im Vatikan nach den Daten und als die Angaben nach mehr als einer Woche immer noch nicht eingetroffen waren, zeigte sie den Fall als verdächtig an.

Das IOR sieht das anders. Bei den 23 Millionen Euro habe es sich um eigenes Geld gehandelt, das zu Anlagezwecken auf eigene Konten weitergeleitet werden sollte. Womöglich dubiose Finanzen Dritter seien nicht im Spiel. Allerdings, so räumt der Vatikan ein, sei gegenüber der Handwerksbank die „Prozedur der Transparenz“ noch nicht abgeschlossen gewesen – was die Ermittler insofern erstaunt, als ausgerechnet der Präsident jener Bank auch im Leitungsgremium des IOR sitzt.

Die neuen Ermittlungen sind aber nicht die einzigen gegen die Hausbank des Heiligen Stuhls und zahlreicher religiöser Institutionen. Andere laufen unter der Rubrik „Konto 204“. Bei der Filiale einer italienischen Bank in der Nähe vom Petersdom hatte der IOR das besagte Konto angelegt. Offiziell als „Verbindungsstelle zu italienischen Banken oder Kunden“. Die Staatsanwälte hegen einen anderen Verdacht: Sie vermuten, dass über das Konto italienische Bürger zwielichtiges oder steuerlich nicht deklariertes Geld diskret im Vatikan verschwinden lassen konnten.

Auch in einem großen Bauskandal wird weiterhin gegen den Vatikan ermittelt. Angelo Balducci, Chef der nationalen Behörde für die Vergabe öffentlicher Aufträge, saß als Kurienberater auch im Vatikan. In beiden Positionen soll er Bauaufträge verschachert haben – an einen Unternehmer, der dann nicht nur der Fülle seiner Tätigkeiten wegen reich wurde, sondern auch, weil der Vatikan gerne in bar bezahlt – an italienischen Finanzkontrollen vorbei.

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