Geldwäsche und windige Anlagen : Deutscher Bank drohen Milliardenstrafen

Zwei neue Affären belasten Deutschlands größtes Geldinstitut. In den USA und Russland drohen dem Bankhaus Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

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Bank in Schieflage. Deutschlands größtes Kreditinstitut hat seit Jahren Ärger mit der Justiz. Die Zahl der laufenden Verfahren bezifferte das Geldhaus im vergangenen Jahr auf mehr als 6000.
Bank in Schieflage. Deutschlands größtes Kreditinstitut hat seit Jahren Ärger mit der Justiz. Die Zahl der laufenden Verfahren...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Das Führungsduo der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, durchlebt harte Tage. Von den selbstgesteckten Geschäftszielen ist Deutschlands größtes Geldinstitut weit entfernt und die Vorstands-Pläne zum Umbau des Bankhauses stoßen bei den Anteilseignern auf Kritik. Obendrein muss sich Ko-Chef Fitschen ab Dienstag wieder wegen Prozessbetruges im Fall Kirch vor dem Landgericht München verantworten.

Zwei neue Hiobsbotschaften dürften am Freitag für zusätzliche Unruhe in der Vorstandsetage gesorgt haben. Einerseits sollen russische Kunden über die Bank Geld gewaschen haben, sagte eine mit dem Fall vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Andererseits drohen dem Institut Strafzahlungen wegen windiger Hypothekengeschäfte in den USA, wie das „Wall Street Journal“ berichtete.

Die Russland-Affäre bestätigte das Frankfurter Bankhaus zumindest indirekt: Eine Gruppe von Händlern in Moskau sei suspendiert worden, bis die Untersuchung abgeschlossen sei, sagte eine Sprecherin der Bank. Nach Information von Reuters soll zu den suspendierten Mitarbeitern auch der Leiter des Aktiengeschäfts in Russland gehören. Die Bank bekräftigte mit ihrem Statement dabei Aussagen von Mitte Mai. Damals schien das Ausmaß allerdings noch weitaus geringer zu sein. Das „Manager Magazin“ hatte seinerzeit berichtet, Mitarbeiter der Bank hätten für russische Kunden Gelder zweifelhafter Herkunft gewaschen – in Euro gerechnet mindestens in dreistelliger Millionenhöhe. Doch nun geht es offenbar um Milliardensummen – die Agentur Bloomberg spricht von „mehr als sechs Milliarden Dollar“.

Die russischen Kunden hätten über die Bank Papiere in Rubel gekauft, die ihnen das Institut in London in Dollar wieder abkaufte, hieß es in den Berichten. Laut Bloomberg handelte es sich um Aktien, das „Manager Magazin“ berichtete hingegen von Derivaten. Nun geht es offenbar darum, ob das Geld auf diese Weise überhaupt außerhalb der russischen Grenzen gebracht hätte werden dürfen und ob die Bank die Aufseher nicht früher darüber hätte informieren müssen. Die Bank prüft deshalb jetzt Daten, die von 2011 bis Anfang 2015 reichen. Die Untersuchung sei noch nicht beendet, möglicherweise gehe es auch um noch höhere Summen, berichtete Bloomberg. „Wir haben uns verpflichtet, höchste Standards zur Bekämpfung von verdächtigen Aktivitäten einzuhalten und ergreifen harte Maßnahmen, wenn wir Hinweise auf Fehlverhalten finden“, versicherte eine Bank-Sprecherin der Agentur Reuters.

Um einen Milliardenbetrag könnte es auch im zweiten Fall gehen: US-Ermittlungsbehörden werfen der Deutschen Bank und zahlreichen weiteren Geldinstituten vor, Investoren beim Verkauf der mit Immobilienkrediten besicherten Wertpapiere hinters Licht geführt zu haben. Die großen US-Geldhäuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo hatten in dieser Affäre bereits Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 37 Milliarden Dollar aufbringen müssen. Laut „Wall Street Journal“ drohen jetzt in einer neuen Vergleichwelle neben der Deutschen Bank auch anderen europäischen Instituten Strafen in Höhe von bis zu drei Milliarden Dollar pro Geldhaus. In Frankfurt gab man sich am Freitag indes zugeknöpft, ein Spreher der Bank wollte den Bericht nicht kommentieren.

So oder so kommen die beiden neuen Affären für das Geldhaus zur Unzeit. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bank für Rechtsstreitigkeiten 2,5 Milliarden Euro aufgewandt, nachdem sie mehrere teure Vergleiche geschlossen hatte. Und mit weiteren Milliardenkosten ist zu rechnen. Die Rückstellungen für die übrigen Rechtsfälle beliefen sich zum Jahresende noch auf 2,3 Milliarden Euro.

Ein Ende der schweren Zeiten für die Führungsspitze Jain und Fitschen, so scheint es, ist noch lange nicht in Sicht.

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