Wirtschaft : Gelungener Börsenstart für Jenoptik

FRANKFURT (MAIN)/JENA (dpa/AP).Das Thüringer High-tech-Unternehmen Jenoptik ist mit kräftigen Kurssprüngen ins Börsenzeitalter gestartet.Die Erstnotiz von 48,50 DM an der Berliner Börse übertraf den Ausgabepreis von 34 DM um über ein Drittel.Zur Kasse notierten Jenoptik in Frankfurt mit 45,30 DM.Bis zum Schluß des Parketthandels wurden dort 1,18 Mill.Stück der neuen Aktie gehandelt.In Berlin ging die Aktie mit 46,35 DM aus dem Handel.

Händler sprachen von einer sehr erfolgreichen Emission.Mit dem überdurchschnittlich guten Start könnten das Unternehmen sowie das Land Thüringen zufrieden sein.Der Vorstandschef der Jenoptik AG, Lothar Späth, sagte, der erste Preis passe genau.Er sei voll zufrieden.

Mit dem Start von Jenoptik im amtlichen Handel ist der bisher größte Börsengang eines ostdeutschen Unternehmens abgeschlossen.Zugleich hat sich das Land Thüringen weiter aus dem Unternehmen zurückgezogen.Schon vor dem ersten Handel waren die Papiere stark gefragt.Bei Ermittlung des Ausgabepreises waren sie 26fach überzeichnet.

Späth sagte weiter, der erste Börsenkurs zeige, daß der Ausgabepreis fair gewesen sei.Ähnlich äußerte sich Thüringens Finanzminister Andreas Trautvetter (CDU).Das Papier sei nicht zu billig angeboten worden.Es sei nicht darum gegangen, Spekulationsgewinne zu realisieren.Insgesamt wurden 22,7 Mill.Aktien plaziert.Etwa die Hälfte der Aktien wird von Privatanlegern gehalten.Thüringer haben mit rund 2,5 Mill.Anteilsscheinen ein Viertel des für Kleinanleger vorbehaltenen Aktienpakets erhalten.

Neben dem Land Thüringen setzt sich der Kreis der Anteilseigner nunmehr aus verschiedenen Banken zusammen, die noch etwa acht Prozent halten, dem ehemaligen Inhaber der Tochterfirma Krone, Klaus Krone, mit rund sieben Prozent und den Mitarbeitern sowie dem Management mit etwa vier Prozent.

Nach den Worten von Jenoptik-Chef Späth kann der Erlös jetzt investiert werden.Trautvetter sagte, von den insgesamt dem Land zugeflossenen Börseneinnahmen von 228,5 Mill.DM würden 100 Mill.DM für die Technologieförderung sowie für Wagniskapital bereitgestellt.Unter dem Strich habe Thüringen einschließlich des Börsenganges aus der Privatisierung des Unternehmens 338 Mill.DM eingenommen.Dies sei mehr als das Land dem Unternehmen direkt für den Neustart nach der Wende zur Verfügung gestellt habe.

Kleinaktionäre begrüßten den hohen Anteil privater Anleger und die Aktionärstruktur insgesamt.Ein Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sagte, gerade die kleineren Anteilseigner seien die treuesten Kunden.Sie seien es, die ihre Aktien nicht als Spekulationsgewinne behandelten.Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) bezeichnete den Börsengang als einen Vorgang, der über die Grenzen Thüringens hinaus für die neuen Länder und das vereinte Deutschland insgesamt Bedeutung habe.Er führe vor Augen, was mit Ideenreichtum, engagierten und kreativen Mitarbeitern sowie den materiellen Voraussetzungen erreichbar sei.Das "Risikokapital" von Treuhand, Land und Steuerzahlern habe vielfältige Früchte getragen.Es sei richtig, daß die Erlöse den Beschäftigten und dem Land zugute kämen.Der Erfolg der Jenoptik beweise, daß die Vision vom High-tech-Land Thüringen Realität werden könne.Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz lobte den Börsengang als Beispiel für eine erfolgreiche Sanierungspolitik in den neuen Bundesländern."Das ist ein sehr großer Erfolg, der da heute passiert, und ein Stück Signal, was andernorts auch hätte passieren können", sagte Schwanitz dem Inforadio Berlin-Brandenburg.Vor dem Börsengang hatte Thüringen 50 Prozent minus einer Aktie an dem Jenaer Unternehmen besessen.Das Land hatte das frühere Kombinat VEB Carl Zeiss 1991 von der Treuhand übernommen.Damals wurde auch der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth zum Firmenchef berufen.

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