Wirtschaft : Gemeinsame Bearbeitung von Überweisungen scheitert

Großbanken beenden Gespräche über Transaktionsbank/Kostensenkungen offenbar nicht wie erhofft möglich

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Frankfurt (Main) (ro). Nach über einjährigen Verhandlungen droht das Projekt der Großbanken für eine gemeinsame Transaktionsbank für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs zu scheitern. Die HypoVereinsbank hat sich aus den Gesprächen mit der Deutschen und der Dresdner Bank verabschiedet. Die beiden Banken wollen das Thema allerdings weiter erörtern, wie Sprecher von Dresdner und Deutscher Bank am Freitag betonten. Einen Zeitplan gäbe es nicht. Vor einem Jahr noch war die Rede davon, ein Konzept für eine solche Bank werde bis Ende 2002 vorgelegt.

Hypo-Vereinsbank-Sprecher Knut Hansen wollte keine Gründe für den Ausstieg seines Hauses nennen. Das Thema bliebe aber auf der Tagesordnung.

Über die Höhe möglicher Einsparungen durch eine gemeinsame Transaktionsbank wurde nichts gesagt. Schätzungen über mögliche Kosteneinsparungen in dreistelliger Millionenhöhe werden nicht kommentiert. Vor einem Jahr noch war genau dies als Zielgröße genannt worden. Damals gab sich Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti optimistisch und stellte einen „Durchbruch“ in Aussicht. Heute schweigt er. Die damaligen Annahmen über Kostensenkungen gelten offenbar als überzogen.

Nach den bisher erarbeiteten Geschäftsplänen hat sich aber ergeben, dass eine Zahlungsverkehrsbank erst im vierten Jahr ihres Bestehens schwarze Zahlen schreiben würde. Alle Banken müssten hohe Abschreibungen auf ihre bestehenden Systeme vornehmen, die Überleitung der Daten auf ein neues System würde Millionen verschlingen. Schließlich sei ein erheblicher Personalabbau unausweichlich. Während derzeit jedes Haus im Zahlungsverkehr rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, käme eine eigenständige Transaktionsbank mit 1000 Beschäftigten aus. Rund 2000 Arbeitsplätze müssten also gestrichen werden.

Deutsche, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank wickeln jedes Jahr im Zahlungsverkehr rund vier Milliarden Überweisungen ab. Zusätzlicher Kostendruck entsteht dadurch, dass Überweisungen innerhalb der Europäischen Währungsunion vom 1. Juli an nicht mehr kosten dürfen als innerhalb von Deutschland. Die Großbanken hatten ebenso wie Postbank, Volksbanken und Sparkassen angekündigt, diese EU-Verordnung auch entsprechend umzusetzen.

Auch die Commerzbank spricht derzeit mit der DZ Bank, aber auch diese Erörterungen laufen auf Sparflamme. Angestrebte Kosteneinsparungen von 30 bis 35 Prozent gelten als unerreichbar.

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