Gemeinsame Konferenz : Berliner Industrie und Politik finden sich gut

Im Roten Rathaus treffen Industrie-Manager auf Wirtschaftsförderer und Politik. Es gibt viel gegenseitiges Lob. So manchem geht es aber nicht schnell genug.

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Gute Stimmung bei der Politik. Wirtschaftssenatorin Yzer und Regierungschef Wowereit freuen sich darüber, dass die Industrie in Berlin Tritt gefasst hat.
Gute Stimmung bei der Politik. Wirtschaftssenatorin Yzer und Regierungschef Wowereit freuen sich darüber, dass die Industrie in...Foto: dapd

Cornelia Yzer weiß, warum sie den Posten als Berliner Wirtschaftssenatorin übernommen hat. „Dieser Industriestandort ist wieder da“, sagte die CDU- Politikerin bei der Berliner Wirtschaftskonferenz am Mittwoch. Seit Jahren wächst die industrielle Wertschöpfung der Industrie in der Hauptstadt. Nach dem massenhaften Wegbrechen von Industriearbeitsplätzen in den 90er Jahren entstehen wieder neue Stellen.

Mit zehn Prozent ist der Anteil der Industrie an der Berliner Wirtschaftsleistung jedoch nur halb so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Und statt 180 000 industrieller Arbeitsplätze, die Berlin Gutachten zufolge benötige, gebe es erst 106 000, bekam die Wirtschaftssenatorin von ihrem sozialdemokratischen Regierungschef Klaus Wowereit zu hören. „Ein Stück Arbeit, Frau Yzer.“

Einig waren sich Politiker mit Managern und Gewerkschaftsvertretern gleichermaßen, dass sich der Standort auf einem guten Weg befinde. „Zahlreiche Entwicklungen im Kleinen zeigen, dass industrielles Wachstum in der Stadt möglich ist“, sagte DGB-Bezirksvize Christian Hoßbach. Lob gab es für die Bemühungen um eine bessere Vernetzung von Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft. Seit Jahren bündelt Berlin relevante Bereiche wie Gesundheit, Verkehr, Energietechnik, Kreativszene und Optik in Clustern (englisch für Haufen).

Yzer betonte erneut, dass es nicht ausreiche, Masterpläne für einzelne Wirtschaftssektoren zu erstellen und nach fünf Jahren auszuwerten. Es sei an der Zeit zu handeln. „Wir müssen noch einen Zahn zulegen.“ Manager wie Harald Krüger hören so etwas gerne. „Ich bin kein Berliner“, bekannte der Chef der BMW-Motorradsparte, die im Spandauer Werk rund 1900 Menschen beschäftigt. Doch die Stadt biete beste Voraussetzungen für eine „industrielle Produktion auf Weltklasseniveau“. Das belege unter anderem die mit 80 Prozent sehr hohe Ausfuhrquote der Zweiräder. Dass die Stadt Schaufensterregion für Elektromobilität geworden sei, sei ein entscheidender Faktor für die künftige Entwicklung. Er kündigte an, der neue E-Scooter von BMW werde ebenfalls in Berlin gefertigt.

Wowereit mahnte, bei aller Begeisterung für etablierte Wirtschaftszweige die Berliner Gründerszene nicht zu vernachlässigen. Die Start-ups seien schon da und brauchten Unterstützung: von Unternehmensverbänden, von der IHK und von Unternehmen als Geldgeber.

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