Wirtschaft : Gemeinsame Sache beim Hybridantrieb

Bundeskanzler Schröder lobt die Allianzen in der deutschen Autoindustrie und ruft zur Aufholjagd gegen Japan auf

Alfons Frese

Frankfurt am Main - Der Streit um umweltfreundliche Autos und die hohen Spritpreise stand im Mittelpunkt der Eröffnung der 61. Internationalen Automobilausstellung IAA. Bundeskanzler Gerhard Schröder kritisierte am Dienstag in Frankfurt die deutschen Hersteller, weil sie zu spät mit Diesel-Partikelfiltern auf den Markt gekommen seien. Gleichzeitig begrüßte er die Kooperationen deutschen Autobauer bei der Entwicklung des Hybridantriebs. „In kürzester Zeit holen Sie den Rückstand Ihrer japanischen Kollegen auf“, rief Schröder den Vertretern der Autoindustrie zu.

Der Hybridantrieb – eine Verbindung von Verbrennungs- und Elektromotor, die rund ein Fünftel weniger verbraucht als „normale“ Motoren – ist das bestimmende Thema der IAA. So haben General Motors und Mercedes eine HybridEntwicklungsallianz mit BMW geschlossen und Porsche kooperiert mit VW. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kündigte jetzt an, diese im innerstädtischen Stopand-go-Verkehr verbrauchsgünstige Antriebsart „bis Ende des Jahrzehnts“ im Cayenne einzusetzen. Sein Unternehmen werde einen dreistelligen Millionenbetrag in die Hybridentwicklung stecken.

BMW zeigt auf der IAA schon einmal ein Konzept-Auto, einen kleinen Geländewagen mit Hybridantrieb, den es irgendwann einmal geben wird. Und General Motors will seine großen Geländewagen bereits von 2007 an mit Hybrid ausrüsten, kündigte GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster an. Er betonte bei der Präsentation des Astra-Cabrios Twintop die herausragende Stellung der Rüsselsheimer beim Erdgasantrieb: „Jedes dritte in Deutschland verkaufte Erdgas-Auto ist ein Opel Zafira.“ Nicht nur die Autobauer, auch die Zulieferer Continental und ZF machen beim Hybridantrieb gemeinsame Sache. Entwickelt werden soll die Technologie am Standort Berlin.

Dennoch, die deutschen Autohersteller hecheln hinter Toyota her, die schon die zweite Generation der Hybridantriebe auf den Markt bringen. Die Japaner sind seit Jahren mit dem Prius erfolgreich, einem Mittelklassewagen mit Hybrid, der in Europa zum Auto des Jahres gewählt wurde. In der deutschen Autoindustrie hingegen ist umstritten, wie sinnvoll der Hybridantrieb ist. Vor allem VW und Mercedes haben in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass der Hybridantrieb – der Elektromotor lädt sich beim Bremsen auf – nur im innerstädtischen Verkehr Sinn macht. Auf längeren Strecken sei ein Diesel deutlich günstiger im Verbrauch.

Mercedes-Forschungsvorstand Thomas Weber führte zum Beweis eine Testfahrt der von einem Diesel angetriebenen Mercedes M-Klasse quer durch die USA an: „Unser Diesel verbrauchte 10,8 Prozent weniger Kraftstoff als das im Vergleich getestete, neueste Hybridfahrzeug eines japanischen Wettbewerbers.“ Und trotzdem: Auch die Stuttgarter Premiummarke kann sich dem Wandel der Zeit nicht entziehen und forciert nun die Hybridentwicklung. „Einzigartige“ Konzepte, mit denen „in naher Zukunft“ der Kraftstoffverbrauch deutlich reduziert werden könnte. Wann die Konzepte auf den Markt kommen, sagte Weber nicht.

Umweltminister Jürgen Trittin hat der deutschen Autoindustrie wiederholt vorgeworfen, wichtige Entwicklungen beim Diesel-Rußfilter, Spritverbrauch und Hybridmotor „verschlafen“ zu haben. Auf der IAA wehrte sich der Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, gegen Trittins Kritik, die deutschen Hersteller würden nur „Spritfresser“ produzieren. Solche Äußerungen kämen von „Aktionskünstlern mit Gutmenschenmentalität, die ihr Verhältnis zum Auto noch nicht gefunden haben“.

Gottschalk sprach dann auch von einer „IAA der Zuversicht, auf der die psychologische Trendwende in Deutschland gegen Miesmacher und Bedenkenträger“ eingeleitet werden könne. So geht es laut Gottschalk mit dem Pkw-Absatz in Deutschland zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder bergauf. Auch habe sich der Standort Deutschland aus Sicht der Industrie verbessert. Der Umsatz je Beschäftigtenstunde sei ebenso gestiegen wie die Arbeitszeit, der Abstand bei den Arbeitskosten gegenüber ausländischen Wettbewerbern habe sich verringert.und schließlich sei die Agenda-Politik der Bundesregierung richtig, sagte Gottschalk.

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