Wirtschaft : Gen-Food: Kommentar: Käufer hat ein Recht auf Transparenz

Maren Peters

Die Bundesregierung hat sich endlich auf einen Schwellenwert für gentechnisch veränderte Bestandteile in Lebensmitteln festgelegt. Ein Prozent Anteil soll künftig tolerabel sein. Es wurde höchste Zeit für eine Einigung. Wenn Ministerin Renate Künast auf der einen Seite die Ökolandwirtschaft fördern will und damit dem Bedürfnis des Verbrauchers nach Transparenz in der Nahrungskette entgegenkommt, dann kann sie ihm diese Transparenz nicht gleichzeitig beim Gen-Food verweigern.

Gerade hier hat der Verbraucher einen Anspruch darauf, zu wissen, was drin ist seinem Essen. Wenn er wüsste, in wie vielen Produkten schon heute gentechnisch veränderte Bestandteile sind, würde er sich wahrscheinlich wundern. Pro Jahr werden 40 Millionen Tonnen Futtermittel aus Nicht-EU-Staaten importiert. Ein Großteil davon aus Ländern, in denen Gen-Soja und Gen-Mais heute schon den überwiegenden Teil der Äcker bedecken. Das Gen-Futter wird in Europa an Geflügel und Rinder verfüttert und wandert in die Nahrungskette. Selbst Öko-Landwirte, die lieber darauf verzichten würden, haben schlechte Karten: Getreide ist Massenware, es ist offenbar kaum möglich, zwischen Gen-Soja und Nicht-Gen-Soja zu unterscheiden. Einem Korn sieht man nicht an, woher es kommt und was in ihm steckt. Tatsache ist aber, dass die meisten Europäer gentechnisch veränderte Bestandteile in ihrer Nahrung ablehnen.

Wissenschaftliche Belege hin oder her: Beim Gen-Food geht es derzeit genausowenig wie beim Öko-Landbau um die Frage, was nun besser ist: Biokost oder Industrienahrung, Gen-Food oder nicht. Entscheidend ist allein die Frage, wofür der Verbraucher sein Geld ausgeben will. Deshalb müssen Produkte klar gekennzeichnet werden. Erst dann hat er tatsächlich eine Wahl.

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