Wirtschaft : General Electric: Der US-Mischkonzern sticht United aus

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Für umgerechnet mehr als 100 Milliarden Mark übernimmt der US-Mischkonzern General Electric Co (GE) den Technologiekonzern Honeywell International Inc. Beide Unternehmen gaben bekannt, dass ihre Verwaltungsräte die Transaktion bereits gebilligt hätten. Damit entsteht einer der weltweit größten Industriekonzerne mit den Geschäftsbereichen Luftfahrt, Kraftwerks- und Turbinenbau, Kunststoffe und Chemie.

General Electric teilte zudem mit, dass ihr Vorstandschef John "Jack" Welch bis Ende 2001 das Unternehmen weiterführen werde, um die Übernahme von Honeywell unter Dach und Fach zu bringen. Welch, der im November 65 wird, wollte ursprünglich kommenden April in den Ruhestand gehen. Sein Nachfolger werde noch vor Ende des Jahres benannt, hieß es.

Mit der Akquisition im Zuge eines Aktientauschs, der ein Volumen von 45 Milliarden Dollar hat, entsteht der weltweit größte Zulieferer der Luft- und Raumfahrtindustrie mit insgesamt 135 Milliarden Dollar Umsatz. Der größte Konkurrent ist die United Technologies Corp (UTC), die unter anderem Triebwerke (Pratt & Whitney) und Hubschrauber (Sikorsky) herstellt. Auch UTC wollte Honeywell kaufen, zog sich aber am Samstag zurück, weil GE mehr geboten hatte. "Honeywells Kerngeschäftsfelder - Luft-und -Raumfahrt, automatisierte Kontrollsysteme, Hochleistungsmaterialien und die neue Mikroturbinenindustrie - sind perfekte Ergänzungen von vier unserer Geschäftssparten", erklärte Welch in einer Pressemitteilung.

Im Rahmen der Vereinbarung zahlt GE 1,055 eigene Aktien für jeden Honeywell-Anteil. Das entspricht bei Zugrundelegung des GE-Kurses vom Freitag einem Wert von 55,12 Dollar. GE übernimmt außerdem Honewells Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar. UTC hatte dem Vernehmen nach 50 Dollar je Anteil oder insgesamt 40 Milliarden Dollar offeriert.

Der größte deutsche Triebwerkshersteller MTU verspricht sich von der Übernahme Chancen für die Ausweitung des eigenen Geschäfts. "Wir hoffen, davon zu profitieren", sagte ein MTU-Sprecher. Das Unternehmen sei Kooperationspartner sowohl von Honeywell als auch von GE.

Als Interessent für die Übernahme von Teilen des Honeywell-Konzerns war am Wochenende Siemens ins Gespräch gebracht worden. Britischen Presseberichten zufolge soll Siemens bis zu 1,5 Milliarden Dollar für einen Teil oder das gesamte Honeywell-Automatisierungsgeschäft geboten haben. Der Konzern wollte dazu am Montag keinen Kommentar abgeben.

Michael Bonsignore, bisher Vorstandschef und Vorsitzender des Verwaltungsrates von Honeywell, und zwei weitere Mitglieder des Verwaltungsrates werden in das entsprechende GE-Gremium eintreten, hieß es in der GE-Zentrale in Fairfield (Connecticut) weiter. Honeywell hat ihren Geschäftssitz in Morris Township (New Jersey), der nach dem Zusammenschluss aufgelöst wird; 500 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Honeywell International war im Dezember durch den Zusammenschluss von Allied-Signal Inc mit Honeywell Inc entstanden. Die Integrierung der beiden Unternehmen verlief jedoch nicht reibungslos, und Honeywells Aktienkurs ist seitdem von 64 auf 35 Dollar gefallen. Das am Donnerstag bekannt gewordene Übernahmenangebot von UTC ließ den Honeywell-Kurs um fast 29 Prozent auf 46 Dollar steigen. GE dagegen fielen um mehr als sechs Prozent auf 52,25 Dollar. GE ist mit einem Börsenwert von 517 Milliarden Dollar (Marktkapitalisierung) das wertvollste Unternehmen der Welt.

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