Wirtschaft : General Electric: In den Fußstapfen von Thomas Edison

Alfons Frese

Was für ein Coup! Ziemlich spontan und gleichsam über Nacht für gut 100 Milliarden Mark eine Firma kaufen - das ist selbst für "Neutronen Jack" ungewöhnlich. "Neutronen Jack" ist der Spitzname von Jack Welch, weil der Anfang der 80er Jahre an der Spitze von General Electric den damaligen Gemischtwarenladen erbarmunglos aufräumte und mehr als einhundert Tochterfirmen mit 100 000 Arbeitsplätzen verkaufte. Dann hat er wieder zugekauft: Allein im vergangenen Jahr 134 Firmen für 17 Milliarden Dollar. Und nun das ganz große Ding mit Honeywell. Vergangenen Donnerstag bemerkte Welch, dass die Honeywell-Aktie anzog, weil United Technologies ein Übernahmeangebot vorgelegt hatte. In der Nacht beriet er sich mit Bankern, am anderen Tag legte er ein Gegenangebot vor, wiederum einen Tag später war er sich mit Honeywell einig. Alle Achtung. Aber hat Jack Welch lange genug Vor- und Nachteile abgewogen? Das Fusionen eher selten glücken, zeigt auch das Beispiel Honeywell: Vor knapp einem Jahr ging das Unternehmen mit Allied Signal zusammen, doch das ging schief, die Honeywell-Aktie verlor seitdem rund die Hälfte ihres Wertes. Aber vielleicht macht Welch jetzt alles besser. Jedenfalls wird er nur die Honeywell-Sparten behalten, die das GE-Spektrum ergänzen und ihn zum größten Zulieferer der Luftfahrtindustrie machen. Der Rest wird verkauft. Unter anderem steht schon Siemens vor der Tür. Da kommt viel Arbeit auf die Beteiligten zu, auch weil 120 000 Honeywell-Mitarbeiter vom neuen Kurs überzeugt werden wollen. Das ist der Job von Jack Welch. Er weiss um die Schwierigkeiten und hat deshalb seinen Ruhestand verschoben. Wenn ihm aber die Honeywell-Integration gelingt, dürfte er in der Historie von General Electric herausragen wie Unternehmensgründer Thomas Edison.

0 Kommentare

Neuester Kommentar