General Electric investiert in Berlin : Stadt mit Geschichte und Potenzial

Der US-Konzern General Electric baut ein Trainingszentrum in Marienfelde und feiert 130. Geburtstag mit Merkel und Wowereit.

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Jungen und Technik. Der Erfinder Thomas A. Edison und der Maschinenbauer und Unternehmer Emil Rathenau (links) waren seit 1883 Geschäftspartner. Hier stehen sie im Jahre 1911 in einer Berliner Maschinenhalle.
Jungen und Technik. Der Erfinder Thomas A. Edison und der Maschinenbauer und Unternehmer Emil Rathenau (links) waren seit 1883...Foto: dpa

Berlin - Zu Ihrem Glück müssen Angela Merkel, Klaus Wowereit und Jeff Immelt an diesem Montag in der heißen Mittagssonne nicht wirklich hart arbeiten. Die Bundeskanzlerin, der Regierende Bürgermeister und der Chef von General Electric (GE) heben nur kurz ihre Schaufeln, stoßen einmal in den weißen Sand hinein, lächeln in die Kameras und schon ist der symbolische Spatenstich getan. GE baut in Berlin ein neues Trainingscenter für seine Mitarbeiter und Kunden. Zehn Millionen Euro will der US-Konzern in Marienfelde investieren, der Senat fördert das Projekt mit 1,31 Millionen Euro. Immerhin 120 Arbeitsplätze sollen entstehen. Doch es geht um mehr als ein Trainingscenter.

GE feiert an diesem Tag mit seinen 800 Berliner Mitarbeitern und noch ein paar hundert Gästen die 130-jährige Geschichte des Unternehmens in Deutschland. Und dass dies in Berlin und nicht etwa in München passiert, hat eben auch symbolische Bedeutung. Vor zwei Jahren hat GE Deutschland als strategisch wichtigen Markt entdeckt und fordert seither seinen ewigen Konkurrenten Siemens auch auf dem Heimatmarkt stärker heraus. In München zum Beispiel hat GE eines seiner inzwischen sechs globalen Forschungszentren errichtet – eine Investition von 100 Millionen Euro. 200 Arbeitsplätze für Hochqualifizierte sind dort entstanden. GE-Deutschland- und Europachef Ferdinando Beccalli-Falco kündigte am Montag an, dass der Standort weiter ausgebaut werden soll.

GE und Siemens sind Konkurrenten, seitdem es beide Unternehmen gibt. Ein großer Teil der Geschäftsfelder überschneidet sich: Energie, Gesundheit, Transport und Verkehr. General Electric machte 2012 mit weltweit 300 000 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 114 Milliarden Euro und hängte Siemens (370 000 Mitarbeiter, 78 Milliarden Euro Umsatz) auch in der Profitabilität ab. Doch während Siemens in den USA mit 60 000 Mitarbeitern fast als amerikanischer Konzern wahrgenommen wird, spielte GE in der deutschen Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Um das zu ändern, startete das Unternehmen eine Werbekampagne. Und nun kommt sogar Firmenboss Jeff Immelt aus der Konzernzentrale in Fairfield Connecticut angereist, um zu sagen, wie wichtig Deutschland für GE ist. Er lobt die Innovationsstärke und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und die guten Leute, die GE hier finde. Die Energiewende hebt er als besonderes deutsches Projekt hervor – natürlich auch, weil GE unter anderem mit seinen Windturbinen davon profitieren will. Und er lobt Angela Merkel, denn die Bundeskanzlerin kümmere sich um die Belange von Unternehmen. Merkel nimmt den Ball auf, sagt, dass GE in mehr als 100 Ländern der Welt aktiv ist und daher genau wisse, warum Investitionen in Deutschland sinnvoll seien. Sie erinnert daran, dass jetzt die Verhandlungen mit den USA beginnen. „Wir wollen das transatlantische Freihandelsabkommen“, sagt sie. Allerdings müsse der Datenschutz dabei eine wichtige Rolle spielen.

Obwohl die Geschichte von GE in Deutschland vor 130 Jahren in Berlin begann, gehört der heutige Standort in Marienfelde erst seit 2011 zum Konzern. Damals übernahm GE das französische Unternehmen Converteam, das heute GE Power Conversion heißt und mit seinen derzeit 800 Mitarbeitern bereits zu den größten industriellen Arbeitgebern in Berlin zählt. GE Power Conversion ist Spezialist für Energieumwandlung. Der Standort selbst wurde 1984 gegründet und gehörte damals zur AEG. Wowereit versprach Immelt, er könne sicher sein, dass der  Senat den Konzern mit allen möglichen Mitteln unterstützen werde. GE habe bewiesen, dass es an die Zukunftsfähigkeit von Berlin glaube.

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