Wirtschaft : General Electric: "Neutronen-Jack" wird von den Investoren geschätzt

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Kaum jemand in der US-Unternehmensgeschichte genießt ein so hohes Ansehen wie der kleinwüchsige Jack Welch, der seit 1981 an der Spitze der General Electric Corporation (GE) steht. Jetzt hat er sich mit einem Konkurrenzangebot für Honeywell kurz vor dem Ruhestand erneut in die Schlagzeilen gebracht. Als "Neutronen-Jack" wird er von den Investoren ebenso hoch geschätzt wie in seiner Umgebung gefürchtet. "General Jack" ist bekannt dafür, durchzugreifen, wenn es darum geht, Kosten einzusparen. Unter seiner Führung mutierte GE von einem altmodischen Industriebetrieb zu einem internationalen Konglomerat, dessen diverse Aktivitäten Fernsehen wie Triebwerke einschließen. In den zwei Jahrzehnten unter seiner Führung ist das Nettoergebnis von 1,8 Milliarden Dollar auf 10,7 Milliarden Dollar (1999) gestiegen. Mit einem Börsenwert von 514 Milliarden Dollar am vergangenen Freitag ist GE das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Umsatz von 111 Milliarden Dollar stellt etwa ein Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes dar. Firmenbereiche, die nicht führend sind in der entsprechenden Branche oder keine Aussichten haben, an die Spitze vorzudringen, stößt er rücksichtslos ab. Zu den Opfern dieser Strategie gehören Haushaltsgeräte, Klimaanlagen und der Halbleiterbereich. Mit der brutalen Umstrukturierung sparte er 100 000 Jobs ein. Doch bei den Anlegern ist "Neutronen-Jack" weltweit der Inbegriff des Shareholder value. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune" kürte ihn 1999 sogar zum "Manager des Jahrhunderts".

Welch hatte am Donnerstagabend bei einem Besuch auf dem Parkett der New Yorker Börse mit Staunen gesehen, wie der Aktienkurs von Honeywell um zehn Dollar in die Höhe geschossen war. Ein Reporter des Wirtschaftsfernsehsenders CNBC, einer GE-Tochter, verwies auf die United Technologies-Offerte. Wenig später hing Welch am Telefon und mobilisierte seine Investmentberater. Am nächsten Tag, Minuten bevor der Honeywell-Verwaltungsrat die United Technologies-Offerte billigen wollte, ließ er dem Honeywell-Chef Michael R. Bonsignore in der laufenden Sitzung des Aufsichtsgremiums mitteilen, dass GE ein höheres Angebot machen wollte.

Bonsignore insistierte auf einer handfesten Offerte. Dieser erhielt er kurze Zeit per Fax handschriftlich von Welch. Welch versicherte, dass er seine für April 2001 geplanten Ruhestand bis zum Jahresende verschieben wollte, um die Einverleibung von Honeywell reibungslos über die Bühne zu bringen. Am Samstagmorgen kamen Welch und Bonsignore zusammen, und am Samstagabend stimmte der Honeywell-Verwaltungsrat der GE-Offerte bereits zu. Die "New York Times" zeichnete diesen dramatischen Ablauf am Montag nach.

Am 19. November wird Welch 64. Schon vor sechs Jahern hat er angekündigt, dass er sich mit 65 zurückziehen wird. Seitdem kursieren Spekulationen. Wer wird und wer kann ihn ablösen?

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