Wirtschaft : General Electric und Honeywell: EU-Veto verhindert Super-Fusion

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Die weltweit bisher größte Fusion zweier Industriekonzerne ist gescheitert. Die EU-Kommission hat am Dienstag in Straßburg den geplanten Zusammenschluss der US-Konzerne General Electric (GE) und Honeywell untersagt. "Die Fusion zwischen GE und Honeywell hätte den Wettbewerb in der Luftfahrtindustrie auf ernste Weise verringert und hätte sich letztlich in höheren Preisen für die Kunden - in erster Linie sind das Fluggesellschaften- ausgewirkt", erklärte EU-Wettbewerbskommisar Mario Monti. Schon am Wochenende hatte GE-Chef Jack Welch erkennen lassen, dass er an der Übernahme von Honeywell, die GE rund 41 Milliarden Dollar gekostet hätte, nicht mehr interessiert sei.

Der Mischkonzern GE ist schon heute Marktführer bei Düsentriebwerken für Passagierflugzeuge. Honeywell ist Marktführer bei Triebwerken für Regionalflugzeuge und bei der elektronischen Ausrüstung von Flugzeugen - von Navigationssystemen über Radar zur Steuerungselektronik. "Die Kombination der Geschäftstätigkeiten der beiden Unternehmen hätte dazu geführt, dass eine marktbeherrschende Position der fusionierten Unternehmen auf dem Weltmarkt entstanden wäre", stellen die EU-Wettbewerbshüter in der Begründung ihrer Entscheidung fest. Sorgen bereitete den EU-Wettbewerbsexperten vor allem die entstehende Möglichkeit zur vertikalen Bündelung der Angebote. GE ist weltweit im Finanzierungsgeschäft tätig und könnte auf diesem Weg auf Kunden Druck ausüben, die von GE finanzierten Flugzeuge auch mit GE-Triebwerken ausrüsten zu lassen. Außerdem ist GE über ihr Leasing-Unternehmen Gecas gleichzeitig Kunde der Flugzeughersteller, die wiederum Kunden des Triebwerkherstellers GE sind. "Eine Bündelung der Angebote der beiden Unternehmen würde die Konkurrenten praktisch vom Markt vertreiben und somit den Wettbewerb ausschalten", sagte EU-Wettbewerbskommissar Monti am Dienstag. "Das hätte letztlich schwerwiegende Folgen für die Produktqualität, für die Wartung und die Preise."

Monti verwahrte sich gegen den in den USA geäußerten Verdacht, es ginge der EU vor allem um den Schutz der europäischen Konkurrenten des US-Konzerns. "Das ist keine Konfrontation zwischen der EU und den USA. Die Klagen über die drohende Wettbewerbsverzerrung kamen von Kunden und Wettbewerbern sowohl aus den USA wie aus der EU", sagte Monti. "Uns geht es nicht um Politik, sondern allein um den fairen Wettbewerb auf dem Weltmarkt." Der EU-Kommissar beklagte sich über den "ungewöhlichen politischen Druck", der von außehn auf die EU-Wettbewerbshüter ausgeübt worden sei. Über die Zuständigkeit der europäischen Wettbewerbsbehörde, die Fusion unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten unter die Lupe zu nehmen, könne kein Zweifel bestehen, sagte Monti. Schließlich gehe es hier um gravierende Folgen für den Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Die beiden US-Konzerne wickeln einen erheblichen Teil ihres Geschäfts auf dem europäischen Markt ab. Monti bedauerte, dass die Zugeständnisse, die GEin Brüssel vorgeschlagen habe, nicht ausreichend gewesen seien, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken auszuräumen.

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