General Motors : "Der Beginn der Trendwende"

Der Detroiter Konzern sieht sich wieder auf dem richtigen Weg. Aber in Europa fallen weiterhin hohe Verluste an.

Moritz Döbler
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GM-Chef Fritz Henderson. -Foto: dpa

Berlin - Sein eigener Stuhl wackelt, und sein Unternehmen ist alles andere als saniert. Aber Fritz Henderson, Vorstandschef von General Motors, gelang es am Montag dennoch, eine Botschaft der Stärke in die Welt zu setzen. „Wir haben noch viel mehr Arbeit vor uns“, sagte er in einer Telefonkonferenz . „Aber die Ergebnisse beweisen das solide Fundament, das wir für den neuen GM-Konzern legen.“

Einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar (800 Millionen Euro) fuhr man im dritten Quartal zwar ein – aber ein Jahr zuvor war das Minus noch doppelt so hoch gewesen, und seit Anfang 2005 hatte der Konzern Verluste von mindestens 90 Milliarden Dollar angehäuft. Auch der Umsatz entwickelt sich besser: Von Juli bis September lag er bei 28 Milliarden Dollar und damit zwar ein Viertel unter dem Wert des gleichen Vorjahreszeitraums, aber ein Fünftel über dem des Vorquartals.

Henderson wertete die Zwischenbilanz als „Zeichen für den Beginn der Trendwende“. Allerdings sind alle Zahlen aus dem Hause GM derzeit mit Vorsicht zu genießen: Nach der kurzen Insolvenzphase wird seit Juli komplett neu gerechnet. Viele Posten sind nicht vergleichbar mit früheren Angaben, und was aus manchen jetzt verbuchten Sondereinflüssen wird, muss sich erst noch zeigen. Seine Schulden beziffert der Konzern aktuell auf 17 Milliarden Dollar.

Europa ist jedenfalls derzeit kein Gewinn für GM. Während der Autobauer im dritten Quartal außerhalb der USA insgesamt einen Gewinn von 238 Millionen Dollar verbucht hatte, rutschte die hauptsächlich aus Opel bestehende Europatochter mit „etwas über 400 Millionen“ Dollar in die roten Zahlen, sagte Henderson. Auch im kommenden Jahr werde das Geschäft in Europa durch das Auslaufen diverser Prämien in wichtigen Märkten schwierig. Den neue Opel Astra nannte GM ausdrücklich als eines von vier Fahrzeugen, das einer der großen Hoffnungsträger außerhalb der USA sei.

Der globale Marktanteil des einst weltgrößten Autobauers stieg seit Jahresmitte leicht auf 11,9 Prozent. Opel und die britische Schwester Vauxhall verkauften 306 000 Autos – das waren rund neun Prozent weniger als im Vorquartal. In China hat GM dagegen 478 000 Autos abgesetzt und damit sechs Prozent mehr.

Rückläufig sind die Beschäftigtenzahlen. Für seine Sanierung baute der US- Konzern weltweit bereits zehntausende Jobs ab. Zum 30. September beschäftigte GM 209 000 Mitarbeiter, Ende 2008 waren es noch 243 000. In Europa will der Konzern 10 000 der rund 50 000 Stellen abbauen – diese Dimension hatten auch die Pläne des russischen-kanadischen Magna-Konsortiums, dem GM überraschend eine Abfuhr erteilt hatte. Offen ist weiter, wie die vier deutschen Opel-Standorte – Rüsselsheim, Bochum, Eisenach, Kaiserslautern – betroffen sein werden.

Klar ist aber, dass GM seine staatlichen Aktionäre schnell wieder loswerden will und die Milliardenhilfen zügig zurückzahlt. Schon im zweiten Halbjahr 2010 wolle das Unternehmen an die Börse zurückkehren, sagte Henderson. „Es gibt eine Menge Fakten, die darauf hinweisen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte bereit sind.“ Abhängig sei der Börsengang aber vom Ergebnis des Unternehmens und der Lage auf den Finanzmärkten. Der Chef des GM-Verwaltungsrates, der von der US-Regierung eingesetzte Ed Whitacre, hatte sich gegen einen so ambitionierten Zeitplan ausgesprochen. Angeblich stehen die beiden Manager in einem internen Machtkampf.

Derzeit hält die US-Regierung, die rund 50 Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt hat, 60,8 Prozent der „neuen“ GM. Kanada hat einen Anteil von 11,7 Prozent, die Arbeitnehmer halten über einen Vorsorgefonds 17,5 Prozent. Henderson sagte, auch die vom Opel-Betriebsrat geforderte Umwandlung der europäischen Tochter in eine Aktiengesellschaft werde geprüft.

Das laufende Quartal hält GM für etwas schwieriger als das vergangene. Zum einen machen sich die geplanten Rückzahlungen der Regierungshilfen bemerkbar, zum anderen rechnet das Unternehmen nach dem Auslaufen der Abwrackprogramme in aller Welt mit einem weiter sinkenden Absatz. Für 2010 erwartet GM ein „mäßiges Wachstum“. Weltweit gebe es zwar Anzeichen einer Stabilisierung. „Aber wenn man davon absieht, dann haben wir Geld verbrannt“, resümierte GM-Chef Henderson.

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