Wirtschaft : General Motors gibt Fehler in der Bilanz zu Verlust höher als angegeben/Insolvenzgefahr wächst

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Portland - General Motors (GM) hat seine Investoren mit einer neuen Hiobsbotschaft verunsichert. Das tiefrote Zahlen schreibende Unternehmen räumte überraschend Fehler in der Bilanz ein und korrigierte seine Geschäftsergebnisse für 2001 sowie das zweite Quartal dieses Jahres drastisch nach unten. Weitere Korrekturen seien möglich, teilte GM der US-Börsenaufsicht SEC mit. Die Börse reagierte mit einem massiven Kursrutsch: Die GM-Aktie fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 13 Jahren.

Wenige Wochen nach einer von der SEC eingeleiteten Überprüfung der Bilanzen muss der angeschlagene Autobauer damit einräumen, bei seinem Zahlenwerk in der Vergangenheit gepfuscht zu haben. „Das ist eine weitere schlechte Nachricht von GM“, sagte Joseph Amaturo, Analyst bei Calyon Securities, „aber es ist kein Riesenproblem“. Die Panne kostet den Autokonzern indes erneut Reputation an den Finanzmärkten und schürt Ängste vor einer Insolvenz des Unternehmens. Die Bank of America erhöhte nunmehr das Insolvenzrisiko für GM von 30 auf 40 Prozent. Unmittelbar zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von GM noch tiefer in den „Ramsch“-Bereich herabgestuft.

Die Luft für das Management werde angesichts der Fehler in der Bilanz noch dünner, glaubt Ron Tadross, Analyst der Bank of America. Sollten die Bilanzfehler zu persönlichen Konsequenzen führen, könnte dies auch neue Bewegung in das Thema Insolvenzantrag bringen, meint die Bank of America. Nachdem das bisherige Management das stets ausgeschlossen habe, könnte eine neue Führung diese Option neu überdenken, argumentiert Tadross.

Die neuen Hiobsbotschaften sind ein empfindlicher Rückschlag für Wagoner, der mit Fabrikschließungen, deutlichem Personalabbau und dem Verkauf von Beteiligungen GM wieder auf die Beine bringen will. Für Wagoner wird es vermutlich schwieriger, einen Käufer für die hochprofitable Finanzsparte GMAC zu finden. GM erwägt einen Notverkauf der Finanzsparte, die bisher drei Viertel des GM-Gewinns beisteuerte. Die nun bekannt gewordenen Bilanzkorrekturen dürften jedoch auch das Vertrauen der Investoren in das Zahlenwerk der Finanztochter erschüttern.

Die Bilanzkorrektur lässt GM im laufenden Jahr nun noch tiefer in die Verlustzone rutschen. Das Minus im zweiten Quartal fiel demnach vier mal größer aus als angegeben: Statt 286 Millionen Dollar beträgt der Nettoverlust 1,07 Milliarden Dollar. Als Begründung nannte GM eine nachträgliche drastische Wertberichtigung um mehr als 50 Prozent seiner Beteiligung am japanischen Subaru-Mutterkonzern Fuji Heavy, die inzwischen an Toyota verkauft wurde.

Insgesamt türmen sich die Nettoverluste von GM nach drei Quartalen nun auf die Höhe von 3,81 Milliarden Dollar. Auch der Reingewinn des Jahres 2001 sei irrtümlich um 300 bis 400 Millionen Dollar zu hoch in der Bilanz ausgewiesen worden, weil einige Lieferantenkredite aus Versehen als Einnahmen verbucht worden seien, erklärte das Unternehmen weiter. Der Gewinn aus dem laufenden Geschäft sei dadurch um 25 bis 35 Prozent zu hoch ausgewiesen worden. Der Konzern werde auch die Bilanzen der Folgejahre korrigieren, sofern sich dieser Fehler auf diese ausgewirkt haben sollte, hieß es weiter. Die Überprüfung des Falles sei noch nicht abgeschlossen.

Der vor knapp einhundert Jahren gegründete Konzern steckt zurzeit in der vermutlich größten Krise seiner Geschichte. Neben sinkenden Absatzzahlen und einem Berg von Schulden zwingen eine ruinöse Rabattschlacht sowie steigende Pensions- und Gesundheitskosten in den USA das Unternehmen immer weiter in die Knie. hz/je/HB

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