Wirtschaft : General Motors gliedert Streik-Tochter aus

DETROIT (rtr).Der US-Autokonzern General Motors (GM) gliedert seine Zuliefer-Tochtergesellschaft Delphi Automotive Systems aus.Der größte Autohersteller der Welt teilte nach einer Vorstandssitzung mit, Delphi solle im ersten Quartal 1999 als eigenständiges Unternehmen an die Börse gehen.GM-Chef Jack Smith sagte, die Trennung gebe Delphi mehr Spielraum, neue Kunden zu gewinnen, Zukäufe zu tätigen und das Geschäft auszubauen.Delphi ist mit 200 000 Mitarbeitern und 31,4 Mrd.Dollar Umsatz der weltweit größte Automobilzulieferer.Im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft einen Gewinn vor Sonderbelastungen von 1,2 Mrd.Dollar erzielt.Delphi erklärte, die Ausgliederung werde nicht zu Stellenabbau führen.Die Gewerkschaft übte Kritik.

"Die Unabhängigkeit wird bei Delphi das strategische Wachstumspotential freisetzen, das es als Teil von General Motors nicht erreichen kann", sagte Konzernchef Smith.Damit kehrt GM nach 89 Jahren von seiner Strategie ab, den Zulieferer im eigenen Haus zu haben.GM hatte 1997 einen Umsatz von insgesamt rund 178 Mrd.Dollar erzielt.

Delphi will sein Geschäft mit anderen Autokonzernen deutlich ausweiten, das nach Angaben aus Industriekreisen derzeit rund 14 Prozent ausmacht.Das Ergebnis der Vorstandssitzung des GM-Konzerns war in der Branche mit Spannung erwartet worden.Der Autohersteller will seine Kosten deutlich senken, die höher sind als die der beiden anderen großen Herstellern Ford und Chrysler.

Fachleute erwarten, daß Ford dem Beispiel des Branchenführers folgt und seine Zuliefertochter Visteon - Nummer zwei weltweit - möglicherweise noch in diesem Jahr ausgliedert und an die Börse bringt.

GM erklärte, zunächst sollten 15 bis 20 Prozent des Grundkapitals von Delphi im Zuge des Börsenganges verkauft werden.Die restlichen Anteile sollten an die GM-Aktionäre verteilt werden.Die Details will GM noch festlegen.

Delphi-Chef J.T.Battenberg, der auch künftig das Unternehmen leitet, sagte, die Ausgliederung werde keine Arbeitsplätze kosten.Delphi werde das vergangene Woche mit der Gewerkschaft UAW erzielte Standortsicherungsabkommen einhalten.Die Beschäftigten in zwei Delphi-Werken in Flint hatten fast acht Wochen lang gegen Stellenabbau und eine Verlagerung der Produktion ins Ausland gestreikt.Der Ausstand, der am 5.Juni begonnen hatte, kostete General Motors schätzungsweise 2,5 Mrd.DM.Der teuerste und längste Streik in den Vereinigten Staaten seit 28 Jahren hatte nahezu die gesamte GM-Produktion in Nordamerika lahmgelegt.Betroffen waren 27 der insgesamt 29 nordamerikanischen Montagewerke und weitere 100 Teilefabriken.Über 190 000 Mitarbeiter mußten zeitweise nach Hause geschickt werden.

Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) wandte sich gegen die Ausgliederung von Delphi.UAW-Vizepräsident Richard Shoemaker sagte, sollte GM an den Plänen festhalten, werde sich die Gewerkschaft aggressiv für die Belange ihrer Mitglieder einsetzen.

Branchenkenner sagten, die schwierigste Frage sei, was die UAW unternehmen werde.Der Kurs der GM-Aktie fiel an der New Yorker Börse am Bekanntgabe der Nachricht am Montag abend bei allgemein nachgebender Tendenz um 1,18 auf 71,12 Dollar.GM erklärte, dies sei kein negatives Zeichen für die Ausgliederung.

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