General Motors : Opel Standorte: Drei von vier bleiben

Der US-Konzern General Motors gibt Standortgarantien für Opel-Werke ab und zahlt die deutsche Hilfen komplett zurück. Aber der Verkauf der schwedischen Tochter Saab ist geplatzt.

Alfons Frese
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Fast alles abgehakt. Die Zukunft von Eisenach ist offen – in Kaiserslautern, Rüsselsheim und Bochum sieht es besser aus. Foto: dpadpa

Berlin - Die Zukunft von Opel wird langsam konkreter. Auf seiner Tour durch die Staatskanzleien diverser Bundesländer gab der Übergangschef von Opel, Nick Reilly, am Dienstag Standortgarantien ab. Nach einem Treffen mit NRW- Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bezeichnete der Mann von General Motors das Opel-Werk in Bochum als „wichtigen Standort“, der erhalten bleibe. Eine ähnliche Zusage gab er später nach einem Treffen mit dem rheinland-pfälzischen Landeschef Kurt Beck (SPD), der sich um das Motorenwerk in Kaiserslautern Sorgen macht. In Schweden platzte unterdessen der Verkauf der GM-Tochter Saab. Die potenziellen Käufer um den Sportwagenbauer Koenigsegg zogen ihr Angebot zurück. GM zeigte sich darüber „sehr enttäuscht“.

In Bochum arbeiten 5300 Beschäftigte bei Opel, in Kaiserslautern sind es 2300. Für Mittwoch hat sich Reilly, der seit wenigen Wochen als GM-Chef von Europa fungiert, mit der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und dem Hessen Roland Koch (beide CDU) verabredet. Dabei geht es um Eisenach (1800 Mitarbeiter) und Rüsselsheim (16 000).

Parallel zu Reillys Tour durch Deutschland wurde in Berlin bekannt, dass GM/Opel die bisherigen staatlichen Hilfen zurückgezahlt hat. „Der deutsche Steuerzahler hat bis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Cent an Opel verloren“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Mit der Zahlung der letzten Rate von 400 Millionen Euro kann nun die Opel-Treuhand aufgelöst werden, bei der 65 Prozent der Opel-Anteile für einen möglichen Käufer geparkt worden waren. Opel hatte rund 1,2 Milliarden Euro an staatlichen Krediten in Anspruch genommen und dafür knapp 30 Millionen Euro Zinsen gezahlt.

GM will zur Sanierung von Opel rund 9500 der 50 000 Arbeitsplätze in Europa streichen und die Produktionskapazität um mindestens ein Fünftel reduzieren. Neben den Standorten in Deutschland gibt es jeweils eine weitere Fabrik in Spanien, Polen und Belgien sowie zwei Werke in England. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz warnte vor einem schnellen Stellenabbau und argumentierte mit den hohen Kosten für Abfindungen. Stattdessen solle man die Renteneintritte abwarten und die natürliche Fluktuation nutzen, meinte Franz. Über diese Wege würden zwischen 2010 und 2013 mehr als 10 000 Opel-Mitarbeiter ausscheiden.

Wann und wo und wie viele nach den Plänen der GM/Opel-Führung gehen sollen, will Reilly am Mittwoch den Arbeitnehmervertretern erläutern. Die Politik soll dann spätestens bis Ende der Woche das Sanierungskonzept zur Kenntnis bekommen. Und dann wird auch entschieden, wer welche öffentlichen Mittel zur Verfügung stellt und ob auch die Arbeitnehmer sich an den Sanierungkosten beteiligen. Die Landesregierung in NRW hält Hilfen „als Brückenfinanzierung in einer schwierigen Phase“ für möglich. Die Belegschaft wiederum hatte Magna 265 Millionen Euro im Jahr zugesagt, diese Zusage aber an eine Übernahme von Opel durch Magna gekoppelt.

Vom Stellenabbau in Deutschland wird vermutlich Bochum mit rund 2000 Arbeitsplätzen am stärksten betroffen sein. Am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim stehen etwa 1000 Stellen zur Disposition. Die IG Metall begrüßte zwar am Dienstag die grundsätzliche Entscheidung für Bochum, blieb aber skeptisch. „Wir müssen wissen, welche Modellpolitik, Markterschließung, Produktionsplanung und Technologieplattform GM für die europäischen Standorte plant“, sagte der nordrhein-westfälische Gewerkschaftschef Oliver Burkhard. Die IG Metall will unbedingt zwei Modelle in Bochum halten, damit die sich mit ihren unterschiedlichen Lebenszyklen ergänzen und somit das Werk gleichmäßig auslasten. Bislang ist noch offen, ob der neue Astra in Bochum gebaut wird. mit dpa

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