Wirtschaft : General Motors streicht in Europa 1000 Stellen

Die Arbeitsplätze sollen in den Astra-Werken der Tochter Opel wegfallen / Neues Designzentrum in Rüsselsheim eröffnet

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) wird in Europa 1000 Arbeitsplätze abbauen. Das sagte der Europa-Chef von GM, Carl-Peter Forster, am Mittwoch in Rüsselsheim. Betroffen seien die Werke in Bochum, Antwerpen und im britischen Ellesmere Port, wo der Opel-Astra gebaut wird. Wie sich die Stellen auf die einzelnen Werke verteilen, sei noch offen, erklärte Forster. Er erwarte aber eine Entscheidung „in den nächsten Wochen“. Der Stellenabbau solle sozialverträglich gestaltet werden.

Den Opel-Standort Rüsselsheim hingegen stärkt GM: Der Vize-Präsident des amerikanischen Konzerns Bob Lutz eröffnete dort zusammen mit Forster am Mittwoch ein neues Design-Zentrum für Europa. „Das ist ein historischer Tag für GM. Design ist Kern unserer Wachstumsstrategie“, sagte Forster. Auf 20 000 Quadratmetern konzipieren dort rund 350 Mitarbeiter die künftigen Modelle der Marken Opel, Saab und Vauxhall und zum Teil auch der Marke Saturn, die GM in Nordamerika verkauft. Forster, Opel-Chef Hans Demant wie auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sehen im neuen Design-Zentrum nicht nur neuen Rückhalt für Opel, sondern auch das Signal, dass der traditionsreiche deutsche Hersteller und GM ihre Produktentwicklung weiter forcieren.

Lutz bezeichnete das neue Design-Zentrum als Zeichen dafür, dass alle GM-Einheiten enger zusammen arbeiten als je zuvor. Das GM-Management sei dabei, das gesamte Unternehmen umzudrehen. Allein in den USA würden die Kosten in diesem Jahr um 7,5 Milliarden Dollar gesenkt. „In fünf Jahren“, sagte Lutz, „wird GM stärker sein als jemals zuvor.“

Künftig arbeitet rund ein Drittel der weltweit 1 000 GM-Designer in Rüsselsheim. Opel und GM erhoffen sich durch das neue europäische Zentrum, im Automobil-Design wieder eine führende Rolle zu spielen. „Opel war in den 60er und 70er Jahren Ton angebend im europäischen Automobildesign. Wir wollen, dass Opel-Fahrzeuge selbst mit Volumenmodellen Aufmerksamkeit im Straßenverkehr erregen“, sagte Bryan Nesbitt, europäischer Chefdesigner bei GM. Lutz betonte am Mittwoch ausdrücklich, dass die Designer in Rüsselsheim auch bei GM-Modellen für den nordamerikanischen Markt mitarbeiten sollen.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz erhofft sich derweil noch weiteren Rückenwind für das deutsche Unternehmen. Autos von Opel könnten bald auch in den USA verkauft werden, sagte er dem Tagesspiegel. Schon 2007 könnte die Entscheidung darüber fallen, dass Fahrzeuge aus deutscher und europäischer Produktion in Nordamerika angeboten werden. „Ich sehe die Dinge auf einem guten Weg. Das ist nicht mehr allzu weit weg“, sagte er. Damit würde die Auslastung in den Fertigungsstätten für den Astra und ab 2010 für das anstehende Nachfolgermodell deutlich verbessert. Verkauft werden könnten die Fahrzeuge unter einer anderen Marke. So läuft Opel in Großbritannien unter dem Namen Vauxhall, in Australien unter Holden.

Der Betriebsratschef schließt zwar nicht aus, dass es auf Seiten der Arbeitnehmervertreter Konflikte mit den Kollegen des Mutterkonzerns GM in den USA geben könnte. „Aber wir sind ein globales Unternehmen, also sollten wir auch Synergien global nutzen“, sagte Franz. Schließlich verkaufe GM auch Autos aus den USA in Europa.

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