Wirtschaft : General Motors verliert elf Milliarden

Lage beim US-Autobauer immer bedrohlicher / Opel: „Wir stehen zu unseren Vereinbarungen“

Sebastian Bickerich

Berlin - Trotz eines zufriedenstellenden Autoabsatzes im vergangenen Jahr kommt der weltgrößte Autobauer General Motors (GM) nicht aus der Krise. Wegen ausufernder Sanierungskosten für die insolvente US-Zulieferertochter Delphi verbuchte GM einen um zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) höheren Verlust als für 2005 erwartet. Damit steigt der Verlust auf 10,6 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro), wie GM in Detroit mitteilte. Der Autokonzern muss zudem seine Bilanzen von 2000 bis 2004 rückwirkend revidieren. Der Kurs von General Motors an der Wall Street gab bis zum Abend um 3,5 Prozent auf 21,44 Dollar nach. Die deutsche Unternehmenstochter Opel ist nach eigenen Angaben nicht von dem Milliardenverlust betroffen.

Bei der zahlungsunfähigen US- Firma Delphi würden voraussichtlich wesentlich höhere Abfindungen für Mitarbeiter anfallen, hieß es. Zudem gehe man bei GM von höheren Kosten für die zwölf in den USA geplanten Werkschließungen aus. GM verkaufte 2005 rund 9,2 Millionen Autos weltweit, das zweitbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte. Der Konzern leidet aber unter hohen strukturellen Kosten und sinkenden Umsätzen. GM ist auf dem US-Heimatmarkt durch eine Absatzkrise sowie steigende Pensions- und Gesundheitskosten in die Krise geraten.

Die deutsche GM-Tochter Opel ist zwar nicht von den schlechteren Zahlen betroffen. „Die Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite bleiben nach wie vor gültig“, sagte ein GM-Sprecher dem Tagesspiegel unter Verweis auf den „Zukunftsvertrag 2010“, der Kündigungen und Werksschließungen bis 2010 ausschließt. Die neuerliche Diskussion um die Schließung eines Werkes für die Produktion des Astra-Modells verschärft sich angesichts der dramatischen Lage beim Mutterkonzern jedoch weiter.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hatte am Dienstag in einem offenen Brief an GM-Europachef Carl-Peter Forster Aufklärung über die Zukunftspläne bei dem Autobauer verlangt. „Die Äußerungen von Vertretern der Geschäftsführung über eine drohende Werkschließung beschädigen die Marke“, sagte Franz dem Tagesspiegel und sprach von „nachhaltiger Verunsicherung“ unter den Arbeitnehmern – „absolut ohne Grund, da wir bis 2010 klare Vereinbarungen haben“.

Opel-Chef Hans Demant hatte kürzlich nicht ausgeschlossen, „das eine oder andere Werk zu schließen“. Die Überkapazitäten bei der Astra-Produktion werden auf 200 000 Fahrzeuge im Jahr geschätzt. Nach GM-Angaben steht eine Entscheidung über eine Schließung ab 2010 „spätestens im kommenden Jahr“ an.

Gesamtbetriebsratschef Franz sagte, er erwarte, dass GM trotz der schwierigen Lage zu den Vereinbarungen stehe, die einen Abbau von 2900 Mitarbeitern ohne betriebsbedingte Kündigungen bis 2010 vorsehen. Im Gegenzug hatten die Beschäftigten Ende 2004 flexiblere Arbeitszeiten und Lohnverzicht zugesagt.

Ein GM-Sprecher sagte dazu, die für dieses Jahr zu erwartenden schwarzen Zahlen bei Opel seien „im Interesse des Gesamtunternehmens“. Er rechne deshalb nicht mit einer Verschärfung des Sanierungsplanes. Der Sprecher kündigte zudem ein „baldiges“ Treffen von GM-Europachef Forster mit Gesamtbetriebsratschef Franz im Rahmen des europäischen Arbeitnehmerforums EEF an.

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