Wirtschaft : General Motors will Rabattkrieg fortsetzen

zel/kk

Im 39. Stock der Konzernzentrale von General Motors (GM) gibt es keine Spur von Zweifel: "Wir setzen weiterhin auf eine aggressive Rabatt- und Nachlasspolitik", kündigt GM-Konzernchef Rick Wagoner im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Bis zum 28. Februar läuft ein Programm, dass jedem GM-Kunden beim Erwerb eines Neuwagens einen Rabatt von 2002 Dollar einräumt. "Eine Fortsetzung würde ich nicht ausschließen", lässt Wagoner durchblicken. Die US-Konkurrenten setzen sich vom Marktführer GM ab und äußern unterschwellig Kritik. "Wir haben unsere Rabatte zurückgenommen", betonte am Wochenende Ford-Präsident Nick Scheele. Die Nummer zwei in der US-Autobranche sei "GM nicht gefolgt". Ähnlich äußerte sich auch Chrysler-Chef Dieter Zetsche: "Bei den Rabatten bewegen wir uns jetzt am unteren Ende der Skala."

General Motors hingegen sonnt sich im Erfolg seiner Rabattpolitik. Zum ersten Mal seit zehn Jahren ist der Marktanteil des größten Autoherstellers wieder gestiegen. Nach Angaben des Prognose-Instituts Autodata kletterte der GM-Wert im vergangenen Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Punkte auf 27,3 Prozent. Nach dem 11. September hatte der Konzern aus Detroit zum ersten Mal aggressiv mit Rabatten reagiert und ein Kreditprogramm mit null Prozent Verzinsung aufgelegt. Wagoner hält die Verkaufsförderung für unverzichtbar: "Der US-Kunde will immer ein Geschäft machen, das ist Teil des Lebens." Es wäre daher "riskant" anzunehmen, dass es auf dem US-Automarkt zu radikalen Änderungen im Verkauf komme.

Das in dieser Woche auslaufende Programm mit null Prozent Finanzierungskosten hat GM einen angenehmen Nebeneffekt beschert. Statt - wie in den USA üblich - den Neuwagen zu leasen, haben sich die Kunden wegen der günstigen Finanzierung häufiger zum Kauf entschieden. Nach Angaben Wagoners hat das dazu geführt, "dass wir Leasing drastisch zurücknehmen konnten". Im Jahr 2000 seien noch mehr als 20 Prozent aller GM-Verkäufe in den USA mit einem Leasing-Vertrag abgeschlossen worden. 2001 sei der Anteil auf gut 15 Prozent geschrumpft. Wagoner glaubt, das LeasingGeschäft sei in den vergangenen Jahren übertrieben worden. Für GM habe sich das Risiko ständig erhöht. Denn man habe nie genau wissen können, mit welchen Restwerten Leasing-Autos tatsächlich zurückgegeben werden.

Der GM-Konzernchef sieht im Übrigen Anzeichen für eine Verbesserung des USAutogeschäfts. Zwar sei das wirtschaftliche Umfeld nach wie vor schwach. Das größere Verbrauchervertrauen und eine gute Stimmung auf dem US-Immobilienmarkt könnten jedoch auf einen Aufwärtstrend hindeuten. Wagoner will es "grundsätzlich nicht ausschließen", dass die Erwartungen für den US-Fahrzeugabsatz in diesem Jahr von gegenwärtig etwa 15,5 auf 16 Millionen Autos hochgesetzt werden müssen. Entscheidend würden die kommenden zwei bis drei Monate. Möglicherweise sei dann eine dauerhafte Erholung erkennbar.

Obwohl GM in diesem Jahr extrem genau auf die Kosten achten müsse, sei eine weitere Steigerung des Marktanteils gut möglich. Wagoner: "Dazu haben wir eine große Chance." Der Konzern will das vor allem mit einer Reihe neuer Modelle erreichen. GM sieht sich gegenüber den US-Konkurrenten Ford und Chrysler im Vorteil. Während die Wettbewerber Werke schließen und Zehntausende Mitarbeiter entlassen, glaubt Wagoner, dass sein Unternehmen glimpflich davonkommt. "Ich hoffe, dass es bei uns keine großen Einschnitte geben wird", sagt er. GM hat einen weiteren Vorteil: Stimmen die US-Kartellbehörden dem Verkauf der Medientochter Hughes Electronics zu, kann General Motors bis zu 5,7 Milliarden Dollar extra verbuchen. Der Führung der deutschen Tochter Opel gibt Wagoner Rückendeckung für ihr hartes Sanierungsprogramm. Er glaube, dass Opel die Kehrtwende schaffen werde. Dabei vertraut Wagoner dem neuen Opel-Chef Forster. Der ehemalige BMW-Manager besitze einen besonders guten "Produktinstinkt".

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