Wirtschaft : General Motors will sich aus der Krise sparen

Quartalsverlust von 1,6 Milliarden Euro/Auch Opel in roten Zahlen/Verkauf der Finanzsparte möglich/Gesundheitskosten reduziert

Walter Pfaeffle,Alfons Frese

New York/Berlin - Der US-Autokonzern General Motors (GM) greift nach einem erneuten Milliardenverlust zu massiven Sparmaßnahmen. Nach dem Willen der Konzernführung sollen in der Produktion bis 2008 mindestens 25000 Stellen verschwinden. Den Beschäftigten rang GM eine Reduzierung der hohen Kosten für die Gesundheitsversorgung um jährlich drei Milliarden Dollar ab. Auch ein Verkauf des ertragreichsten Unternehmensteils, der Finanzsparte GMAC, wird inzwischen von Konzernchef Rick Wagoner erwogen. Im dritten Quartal machte GM vor allem wegen hoher Verluste in Nordamerika einen Verlust von 1,66 Milliarden Dollar. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Verlust inzwischen auf 3,8 Milliarden Dollar.

In Europa belief sich der Verlust im dritten Quartal auf 150 Millionen Dollar, nachdem hier im zweiten Quartal erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen (37 Millionen Dollar) erreicht worden waren. Zu rund 80 Prozent besteht General Motors Europe aus der deutschen Adam Opel AG. Für Opel gibt es seit knapp einem Jahr einen Sanierungsplan, im Rahmen dessen 9000 der 32000 Opel-Stellen in Deutschland abgebaut werden. Nach Angaben eines Opel-Sprechers ist die Restrukturierung so gut wie abgeschlossen. Die Sanierungskosten bei GM Europe schlugen im dritten Quartal mit 56 Millionen Dollar zu Buche. Als weitere Ursachen für den Verlust nennt Opel unter anderem die Markteinführung des neuen Zafira. Immerhin konnte Opel auf dem deutschen Markt in den ersten neun Monaten die Verkäufe um gut sieben Prozent erhöhen.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte dem Tagesspiegel, „wir haben Zusagen von der Konzernleitung, dass die Situation in den USA keine Auswirkungen hat auf Europa“. Wegen der Schwierigkeiten der Mutter müsse aber Opel die geplante Modelloffensive mit rund 30 neuen Autos bis 2010 „allein stemmen“, sagte Franz. Er sei nach wie vor zuversichtlich, dass Opel 2006 wieder schwarze Zahlen erreichen werde. Derweil braucht die Mutter GM dringend Liquidität und erwägt deshalb einen Verkauf oder zumindest Teilverkauf der Finanzierungstochter GMAC. Dieser Bereich warf im dritten Quartal einen Gewinn von 675 Millionen Dollar ab und könnte Schätzungen zufolge einen Verkaufserlös von rund zehn Milliarden Dollar bringen. GM braucht das Geld zur Finanzierung des Arbeitsplatz- und Schuldenabbaus, in dessen Folge dann auch das Rating des Konzerns besser würde. Nach mehreren Herabstufungen durch die Ratingagenturen sind die Kreditkosten von GM permanent gestiegen. Die Situation hatte sich weiter verschärft, nachdem der weltweit zweitgrößte Autozulieferer Delphi, eine ehemalige GM-Tochter, kürzlich Insolvenz beantragt hatte. GM muss möglicherweise Milliarden für die Gesundheits- und Altersversorgung von Delphi-Beschäftigten zuschießen.

Das Kernproblem von GM ist der Heimatmarkt, auf dem der Konzern zunehmend Marktanteile verliert. Im dritten Quartal verkaufte GM trotz großer Rabatte 7,2 Prozent weniger Fahrzeuge in den USA als im Jahr zuvor. Die Auslastung der Fabriken sank auf 85 Prozent, was wiederum den Druck auf GM-Chef Wagoner erhöht, den bereits vor Monaten angekündigten Abbau von 25000 Arbeitsplätzen nun auch umzusetzen. 2008 will Wagoner eine Kapazitätsauslastung von 100 Prozent erreichen.

Die Gesundheitskosten verteuern den Preis für jedes in den USA verkaufte Auto nach GM-Angaben um 1500 Dollar. Schätzungen zufolge müsste das Unternehmen in den kommenden Jahren 61 Milliarden Dollar für Krankenversicherung und Altersversorgung seiner Arbeiter, Pensionäre und deren Angehöriger ausgeben. Nach der Einigung mit der Gewerkschaft werden nun die Kosten für Altersversorgung um 15 Milliarden Dollar oder 25 Prozent des Gesamtaufwands reduziert. Die Börse reagierte positiv auf die Nachrichten aus Detroit, die GM-Aktie legte um knapp zwölf Prozent zu.

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