Wirtschaft : Generationswechsel bei Schering

Finanzvorstand Klaus Pohle verlässt den Konzern nach 22 Jahren

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Berlin (pet). Wenn Schering seine Aktionäre am Donnerstag zur Hautpversammlung zusammenruft, dann wird es für einen der dienstältesten und originellsten Manager im Vorstand der letzte dienstliche Auftritt sein: Klaus Pohle, seit Anfang der 80er Jahre Finanzchef des Berliner Pharmaunternehmens, verabschiedet sich nach 22 Jahren in den Ruhestand. Er übergibt sein Amt an seinen Nachfolger Jörg Spiekerkötter.

Nicht nur die Analysten werden Pohle aufrichtig vermissen. Der Finanzmann gilt nicht nur als ungemein kompetent, sondern hat es auch noch verstanden, sein Zahlenwerk geduldig, verständlich und sogar witzig zu erläutern. „Solche gibt’s nicht oft“, heißt es in Analystenkreisen. Auch die Vorstandskollegen im und außerhalb des Unternehmens haben großen Respekt vor seiner Kompetenz und seinem Ideenreichtum. Den „heimlichen Doyen der Finanzchefs“ nannte ihn sein DaimlerChrysler-Kollege. Und der frühere Schering-Chef Giuseppe Vita lobte: „Als Finanzvorstand waren sie ein Asset, um das Schering sehr beneidet worden ist.“

Der 1937 in Potsdam geborene Manager kam 1981 in den Schering-Vorstand, seit 1989 ist er stellvertretender Vorstandschef. Zuvor hatte der promovierte Jurist und Ökonom 14 Jahren für den Chemiekonzern BASF gearbeitet – in New York, Spanien, Brasilien und zuletzt als Finanzchef in der Zentrale in Ludwigshafen. Von dieser Internationalität profitierte auch das Berliner Unternehmen.

1984 hat Pohle die Bilanzierung bei Schering auf den international vergleichbaren International Accounting Standard (IAS) umgestellt – als erstes deutsches Unternehmen. Von seinem Bilanz-Fachwissen profitierten auch die Berliner TU-Studenten. Seit vielen Jahren hält er dort einmal in der Woche eine Vorlesung – als Honorarprofessor im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.

Ebenfalls als einer der Ersten in Deutschland hat Pohle erkannt, wie wichtig die Pflege der Aktionäre für ein börsennotiertes Unternehmen ist: Er warb weltweit auf Roadshows und Telefonkonferenzen für das Dax-Unternehmen, präsentierte Schering schon 1984 als erstes deutsches Unternehmen in Tokio. Das sei ein „Gefühl, als wenn man sich zum Grillen auf den Rost legt“, soll Pohle über diese öffentlichen Auftritte gesagt haben.

Sein Erfolg lässt sich aber auch in Zahlen ablesen. In Pohles erstem Bilanzjahr 1982 verbuchte Schering einen Umsatz von knapp über 1,7 Milliarden Euro und einen Gewinn von 51 Millionen Euro. Die Pharma-Sparte steuerte damals etwa die Hälfte zu den Verkäufen bei. Heute macht Schering einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden, bei einem Gewinn von 867 Millionen Euro. Von den anderen Sparten Industriechemikalien, Galvanotechnik und Pflanzenschutz hat sich das Unternehmen Anfang der 90er Jahre getrennt und sich seitdem konsequent auf Pharma konzentriert. Und gerne Gelegenheiten genutzt, um passende Unternehmen hinzuzukaufen. Zuletzt hat der Finanzvorstand eine Akquisition auf dem Biotechsektor angedeutet, seitdem warten die Finanzmärkte gespannt auf Neuigkeiten.

Und auch die Aktionäre dürften den verheirateten Vater von drei Kindern vermissen. Als der Finanzchef sein Amt antrat, zahlte das Unternehmen 27 Millionen Euro als Dividende. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag wird er ihnen einen Dividendensumme von 183 Millionen Euro vorschlagen.

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