Wirtschaft : Generikahersteller leiden unter Preisrückgang

Berlin - Die Hersteller von Nachahmermedikamenten sehen sich durch die Arzneimittelpolitik der Bundesregierung zunehmend unter Druck gesetzt. Nach Angaben des Verbandes Pro Generika stieg der Absatz mit den Nachahmermedikamenten im ersten Halbjahr dieses Jahres zwar um 8,1 Prozent, gleichzeitig ging der Umsatz um 5,4 Prozent zurück. Die Ärzte hätten zwar mehr verordnet, gleichzeitig seien die Preise für die Produkte aber „massiv“ gesunken, sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Schmidt am Montag in Berlin. Durch Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Herstellern werde sich die Situation vor allem für kleine und mittlere Unternehmen weiter verschärfen, befürchtet der Verband.

Die AOK hat als größte Kasse gerade Rabattverträge für Pharmahersteller ausgeschrieben. Dadurch sollen 40 Prozent der Medikamente billiger werden. Die Rabattverträge sind politisch gewollt. Sie sind eine der Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung den Preiskampf auch unter Generikaherstellern verschärfen und das Budget der Krankenkassen entlasten will. 2006 hatte die Koalition das Arzneimittelspargesetz erlassen, in diesem Jahr die Gesundheitsreform verabschiedet. Generika sind preisgünstige Kopien von Markenmedikamenten, bei denen das Patent abgelaufen ist.

Nach Angaben von Pro Generika sind den gesetzlichen Kassen im ersten Halbjahr durch Verschreibung von Generika 2,4 Milliarden Euro erspart geblieben. Im gesamten Arzneimittelmarkt hatten die Nachahmermittel in diesem Zeitraum einen Anteil von knapp 57 Prozent. Im Gesamtjahr könnte die Entlastung der Kassen bei fast fünf Milliarden Euro liegen, wenn Ärzte überall dort, wo es generische Alternativen gebe, auch Generika verordneten. Das wäre eine neue Rekordmarke und könnte die Krankenkassen um 0,5 Beitragssatzpunkte entlasten, argumentiert Pro Generika.

Die Branche befürchtet aber, dass durch die gleichzeitige Förderung von dezentralen Wettbewerbsinstrumenten wie den Rabattverträgen und zentralen Regulierungsmaßnahmen wie zum Beispiel Zwangsrabatten oder Festbeträgen der Preiswettbewerb „künstlich überhitzt werde“, wie Kogeschäftsführer Hermann Hofmann sagte. Der Verband forderte die Politik daher auf, klarere Rahmenbedingungen zu setzen. Ansonsten wären Hersteller gezwungen, Stellen abzubauen und müssten zudem darüber nachdenken, die Produktion ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. pet

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