Wirtschaft : Geölt und gefedert

Klappernde Hollandräder – das war einmal. Die neuen Bikes haben pannensichere Reifen und Bord-Computer

Julia Gebert

Frühjahrszeit ist Fahrradzeit. Der Drahtesel wird abgestaubt und wieder flott gemacht – oder, wenn nichts mehr zu retten ist – ein neues Rad gekauft. Die neuen Modelle stehen im Zeichen von Wellness und Fitness, sollen Fahrrad fahren wieder attraktiver machen. Und vor allem: Spaßfahrer und Sportradler brauchen nicht mehr zwischen unterschiedlichen Modellen zu wählen. Die neue Kombinationsräder sollen beides leisten.

Manche Entwicklungen machen Furore, einige sind noch unausgereift, manche nach wie vor nur im Leistungssport einsetzbar. Das erfolgreichste Produkt im Handel ist das Fitness-Bike. Mit dieser Entwicklung reagiert die Branche auf die Konkurrenz der Spinning-Bikes (die früher Standfahrräder hießen) in den Fitness-Studios, in denen körperbewusste Menschen gezielt Muskeln aufbauen können und sich von Medizinern und Computern ihr perfektes Workout berechnen lassen.

Auf dem Fitness-Fahrrad kann man das persönliche Sport-Programm in der Natur absolvieren, der Computer berechnet dabei Strecke, Herzfrequenz, Kalorienverbrauch oder den Pulsschlag. „Das Fitness-Fahrrad wird dieses Jahr in der Branche dominieren“, sagt Hans Friedrich Thoben, Geschäftsführer des Verbands des deutschen Zweiradhandels. Äußerlich ist es eine Kombination aus Renn- und Trekkingrad, aber im Gegensatz zu Sporträdern mit einer kompletten Lichtanlage ausgestattet, mit der man auch an der Polizei anstandslos vorbeikommt.

Die Reifen sind schmal, der Rahmen leicht und der Lenker gerade, dem Mountainbike nachempfunden. „Das Bike soll grundsätzlich zu vielen Fahrern passen, darüber hinaus ist natürlich jedes Extra bestellbar“, sagt Radexperte Thoben. Angesprochen werden sollen alle, die sich ein Fahrrad für 400 bis 1000 Euro leisten können und wollen. Ob die nun dreißig oder siebzig Jahre alt sind, ist den Händlern egal.

Wer sein altes Fahrrad einfach nur nachrüsten will oder ein Neues mit verbesserter Technik kaufen möchte, dem stehen vielversprechende Entwicklungen bei Rahmen, Dynamos und Fahrradreifen zur Verfügung. Die Rahmen werden immer leichter, seit sie nicht mehr aus Stahl, sondern auch aus Aluminium oder Kohlenstoff-Verbindungen angefertigt werden. Das Gewicht eines Rennradrahmens kann dadurch stark variieren: Ein Rahmen aus Stahl wiegt im Durchschnitt 1550 Gramm, ein Aluminiumrahmen um 1300 Gramm, ein aus Carbon gefertigter Rahmen kann sogar nur 1100 Gramm auf die Waage bringen. Da wird das Zubehör von der Felge bis zum Gepäckträger zum eigentlichen Gewichtsfaktor. Alu-Rahmen sind in der Regel dicker als die klassischen Stahlrahmen, um die geringere Materialfestigkeit auszugleichen. Dadurch wird der Gewichtsvorteil gegenüber den Stahlrahmen zum Teil wieder aufgehoben.

Eher für Profis sind die Carbon-Bikes gemacht, die extra auf das Gewicht des Fahrers zugeschnitten werden. Radprofi Lance Armstrong gewann auf einem Carbon-Fahrrad des US-Herstellers Trek die Tour de France. Für Amateurfahrer ist so ein Hightech-Modell mit Preisen zwischen 6000 und 7000 Euro allerdings fast unerschwinglich.

Auch die Qualität des Zubehörs hat sich deutlich verbessert. „Der Trend geht zu wartungsarmen, unkomplizierten Fahrrädern“, sagt Thomas Paulus von Conrad Fahrräder und Extra in Berlin. Die Zeiten, da Nässe und Schnee den Dynamo zuverlässig lahm legten, sind vorbei, seit es Nabendynamos gibt. Die sind zwar teurer und auch schwerer als ihre Vorläufer, funktionieren dafür aber auch bei Regen und schnarren nicht am Reifen. Was für die Lichtanlage gilt, trifft auch auf die Fahrradreifen zu. Reißzwecken oder Scherben auf der Straße machen den Reifen nicht mehr zwangsläufig platt. Davor bewahrt der neue Fahrradmantel der Marke Marathon (27,90 Euro). Im Gegensatz zu den ungefederten Vollgummireifen hat der neue Smartguard-Reifen einen Luftschlauch, der von einem Mantel aus fünf Millimeter dickem Spezialkautschuk geschützt wird. Eine Reißzwecke bleibt in der zusätzlichen Gummierung stecken, ohne den darunter liegenden Luftschlauch zu verletzen.

Um die Fahrt auf dem Drahtmobil noch hoppelfreier zu machen, federn immer mehr Hersteller ihre Räder. Nachteil: Federgabeln bringen zusätzliches Gewicht aufs Rad, sie sind bis zu einem Kilogramm schwer. Trotzdem, die Federungen an den Gabeln des Vorder- und Hinterrads und des Sattels können den Fahrkomfort deutlich steigern.

Eine interessante Innnovation, die auf der Messe Eurobike im vergangenen Jahr präsentiert wurde, ist die mitdenkende Federung namens „Brain“. Sie soll sich automatisch auf Fahrer und Untergrund einstellen. „Das System ist aber noch zu jung und daher sehr anfällig“, sagt Zweirad-Spezialist Paulus.

Raffinessen gebe es ohnehin genug: Luft-, Öl- oder Stahlfederungen kann man vom Fachmann einbauen und gleich auf das eigene Gewicht einstellen lassen. Eine Stahlfederung kostet ab 100 Euro, für eine Ölfederung muss man schon 1500 Euro oder mehr bezahlen.

Neuerdings federt auch der Reifen selber: Der „Big Apple“ von der Firma Schwalbe soll mit seinem dreifachen Luftvolumen die Gabelfederungen an Vorder- und Hinterrad überflüssig machen. Trotzdem fährt sich der dicke Reifen auf Grund seiner kleinen Oberfläche so leicht wie ein schmaler Reifen.

Wer außerdem Wert auf die neuesten Farbtrends legt: die Biker-Szene wird in diesem Jahr bunter. Die bisher dominierenden Schwarz- und Silberlackierungen sollen poppigeren Farbtönen weichen.

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