Wirtschaft : George glaubt an den Euro

TORSTEN RIECKE THOMAS KNIPP (HB)

Britischer Notenbank-Chef: Sorge vor Weichwährung unbegründetVON TORSTEN RIECKE UND THOMAS KNIPP (HB)

LONDON.In Zeiten der Krise an den Finanzmärkten steht der Gouverneur der Bank of England naturgemäß im Mittelpunkt des Sturmes.Doch sturmgebeutelt wirkt George nicht: "In den vergangenen Wochen hat es bemerkenswert wenige Probleme mit den Banken gegeben ­ vor allem hier in London nicht", sagt der Notenbankchef.Er führt das darauf zurück, daß die Risiko-Managementsysteme der Banken in den vergangenen Jahren deutlich verbessert worden seien. Nicht nur auf den Finanzmärkten geht es in diesen Tagen turbulent zu.Auch der Wettstreit um die Vorherrschaft der Finanzplätze in Europa gewinnt an Schärfe.Eddie George kommentiert das mit der Gelassenheit des Favoriten.Einem Wettkampf zwischen London und Frankfurt will er nicht das Wort reden."Beide Plätze, Frankfurt und London, werden ihr Geschäft ausbauen, wenn der Euro erst einmal eingeführt worden ist", ist er überzeugt."Der Wettbewerb wird sich mehr zwischen Frankfurt und Paris als zwischen London und Frankfurt abspielen", meint der Brite. An der überragenden Stellung Londons aber mag George nicht zweifeln.Er drückt das mit der für einen Notenbankchef gebotenen Diplomatie aus: "Der internationale Finanzplatz London ist eine der großartigen Dinge, die England in Europa einbringen kann." Der Zentralbanker hat übrigens keine Schwierigkeiten damit, daß kaum eine Investmentbank mehr in englischem Besitz ist."Es kommt nicht darauf an, wem die Banken gehören, sondern daß die Aktivität hier am Platz London erhalten bleibt.Das sichert Arbeitsplätze und schafft Wohlstand." Mehr Sorge bereitet George der Höhenflug des britischen Pfundes.Der Wechselkurs habe im Sommer ein Niveau erreicht, das auf Dauer nicht zu halten gewesen sei."Es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, einen bestimmten Wechselkurs anzusteuern.Wir verfolgen ein Inflationsziel." Er glaubt jedoch, daß das Pfund immer noch überbewertet sei. Die Aufwertung sei im übrigen nicht nur auf die Zinsdifferenzen zwischen Großbritannien und dem europäischen Kontinent zurückzuführen.Der britische Basiszins ist mit 7,25 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die Leitzinsen auf dem Festland.Die Stärke des Pfundes habe viel mehr mit den Markterwartungen zum Euro als mit den wirtschaftlichen Bedingungen in Großbritannien zu tun."Die Märkte haben offenbar die Meinung vertreten, daß der Prozeß der Währungsunion stärker von der Politik als der Ökonomie gesteuert wird und der Euro deshalb eine weiche Währung werden könnte", erklärt der Notenbanker.Diese Ansicht unterschätze jedoch die Europäische Zentralbank (EZB), die ebenso wie die Bank of England auf die Einhaltung der Preisstabilität verpflichtet sei."Es gibt von daher keinen Grund zu der Annahme, daß der Euro weich wird", betont George.

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