Wirtschaft : George Soros: Spekulant und Menschenfreund

Walter Pfäffle

Der Mann, der die Bank von England sprengte: George Soros war zwar schon vorher ein bekannter Mann, aber die Spekulation gegen das britische Pfund im Jahre 1992 machte ihn berühmt. Damals setzte der schwerreiche Großinvestor auf eine Abwertung des Pfunds im Europäischen Währungssystem - und gewann. Der Pfundkurs fiel trotz Gegenwehr der Bank von England, im September 1992 wurde die britische Währung abgewertet. Soros verdiente dadurch mit seinem Quantum Fonds mehr als eine Milliarde Dollar, obwohl er im Widerspruch zu der Regel "Spekuliere nie gegen die Zentralbank" gehandelt hatte. Seine große Risikobereitschaft gepaart mit einem guten Timing gaben den Ausschlag. Der einflussreiche, spätestens seit dieser Aktion aber auch gefürchtete Großinvestor wird an diesem Sonnabend 70 Jahre alt.

George (György) Soros, der 1930 in Budapest als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts zur Welt kam, denkt aber offensichtlich nicht daran, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Er bleibt Präsident und Chairman der 6,5 Milliarden Dollar schweren Quantum Fund Management LLC, einer Anlageberatungsgesellschaft, die sich um die Soros Group of Funds kümmert. Das sind sogenannte Hedge Funds. Mit dem eigentlichen Zweck des Hedging, der Sicherung von Kurs- oder Zinsrisiken, haben Hedge Funds aber nie etwas zu tun gehabt. Im Gegenteil: Die Soros-Fonds betreiben reine Spekulation und arbeiten zudem nicht mit dem eingezahlten Kapital ihrer Kunden, sondern mit geliehenem Geld. Kaum ein Hedge-Fonds-Betreiber kann Soros, was den Erfolg angeht, das Wasser reichen. Viele seiner Kollegen in der westlichen Welt vergöttern ihn deswegen.

Doch auch ein Soros stößt an seine Grenzen. 1998 verlor er sehr viel Geld - der Betrag von zwei Milliarden Dollar machte die Runde - in der Rubelkrise, als die russische Währung drastisch an Wert verlor. Im gleichen Jahr erschien sein Buch "Die Krise des globalen Kapitalismus". Als im vergangenen April an der Börse die Technologiewerte einbrachen, zogen Anleger massiv ihr Geld aus den Soros-Fonds ab. Allein im April mussten die Fonds einen Verlust von fünf Milliarden Dollar hinnehmen. Der Wert der Fonds schrumpfte von 19 auf 11 Milliarden Dollar. Soros entließ daraufhin seine beiden Top-Manager Stanley Druckenmiller und Nicholas Roditi. Für Soros scheint die Schlappe der Anlass gewesen zu sein, über die Neuorientierung der Fonds und seine eigene Zukunft nachzudenken. "In meinem Alter wird man konservativ", sagte er im Juni vor Reportern. "Ich wäre mit 15 Prozent Wertzuwachs zufrieden", fügte er hinzu.

Trotz gelegentlich herber Verluste - 1987 musste er wegen des Börsenkrachs 650 bis 850 Millionen Dollar zusetzen - erzielte Soros mit seinem Quantum Fund von 1969 bis 1992 einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 35 Prozent im Jahr. Die Struktur des neuen Quantum Endowment Fund werde ihn überleben, schrieb er an die Anteilseigner. Er will weniger von Krediten Gebrauch machen als in der Vergangenheit und das Tages-Management, das einst die Weltmärkte bewegt hatte, anderen überlassen. Mehr und mehr Verantwortung überträgt der in New York Lebende auch seinem 36 Jahre alten Sohn Robert. "Ich würde einen großen Fehler machen, wenn ich wieder in den Ring stiege." Soros will auch mehr Geld in Immobilien und Beteiligungen stecken, wegen deren geringerer Schwankungsanfälligkeit. Etwa 15 bis 20 externe Fondsmanager werden an der Verwaltung der neu strukturierten Fonds beteiligt sein.

So kann sich Soros stärker als bisher auf die Philantropie konzentrieren. 1947 nach seiner Flucht vor dem Kommunismus nach England studierte Soros Philosophie bei Karl Popper, dessen Prinzip der "Offenen Gesellschaft" er sich heute noch verbunden fühlt. Seine spätere Stiftung nannte er denn auch "Open Society Institute". Heute operiert Soros in mehr als 30 Ländern Mittel-und Osteuropas, in Russland, im südlichen Afrika, in Haiti, Guatemala und in den USA. Rund 600 Millionen Dollar gaben die Stiftungen im Jahr 1999 aus. Dieses Jahr will Soros für Wohltätigkeitszwecke noch einmal 600 Millionen Dollar locker machen.

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