Geplante Opel-Hilfen : Deutschland hilft Detroit

Die Rüsselsheimer Traditionsfirma will bei GM bleiben. Bürgschaften von Bund und Ländern würden auch dem US-Konzern nützen.

Antje Sirleschtov,Corinna Visser

Berlin - Es geht um 25 000 Arbeitsplätze in Deutschland. Intensiv diskutiert die Politik, wie man dem Autobauer Opel helfen kann. Die Politiker wollen vermeiden, dass deutsche Steuergelder in die Kassen des angeschlagenen Mutterkonzerns General Motors (GM) fließen. „Eine Bürgschaft für Opel ist indirekt auch eine Liquiditätshilfe für General Motors“, sagt Lars Böttcher, Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Oppenhoff & Partner. „Das wird sich nicht vermeiden lassen.“ Wenn die Geschäftsführung von Opel richtig handele, könne man zwar verhindern, „dass Geld über den großen Teich fließt“. Dazu sei es aber notwendig, dass die Bundesregierung intensiv mit GM verhandelt und entsprechende Sicherheiten vereinbart. In jedem Fall verschaffe aber eine Bürgschaft für die deutsche Tochter auch GM mehr finanziellen Spielraum.

Opel verhandelt mit der Bundesregierung über eine Bürgschaft im Volumen von einer Milliarde Euro. Sie soll die Liquidität des Unternehmens sichern, falls sich die Situation bei GM zuspitzt und kein Geld mehr aus den USA fließt. Unternehmenskreisen zufolge hat Opel Forderungen aus Entwicklungsleistungen für den Konzern in den Büchern, die sich auf weit mehr als eine Milliarde Euro belaufen. Bei den Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Opel-Management am Montagabend in Berlin akzeptiert, dass vor einer Gewährung von staatlichen Bürgschaften sichergestellt wird, dass deutsches Steuergeld auf keinen Fall außerhalb Deutschlands eingesetzt wird.

An eine Trennung von GM denkt man aber nicht: Opel-Deutschland-Chef Hans Demant sagte, sein Unternehmen sei gegen eine Abspaltung von GM. Auf sich allein gestellt, habe Opel keine Zukunftsperspektive, sagte er dem Bayerischen Rundfunk. „Als Teil eines großen Konzerns zu agieren hat eine Menge Vorteile, sowohl für Opel als auch für unsere Mitarbeiter.“ Der Verkauf von jährlich rund 1,6 Millionen Opel-Modellen in Europa reiche zum Überleben nicht aus. Demant wiederholte, dass auch noch offen sei, ob Opel die staatliche Bürgschaften überhaupt in Anspruch nehmen müsse.

Auf wirtschaftspolitischer Ebene wird eine Herauslösung von Opel aus dem Konzern jedoch bereits erwogen. So schlug der Wirtschaftsweise Peter Bofinger vor: „Im Fall Opel sollte die Bundesregierung erwägen, den deutschen Konzern zeitweise zu verstaatlichen, um ihn nach überstandener Krise möglichst bald wieder an private Investoren weiterzuverkaufen.“

Eine Herauslösung dürfte allerdings wegen der engen Verflechtung mit GM schwierig werden. Seit knapp 80 Jahren gehört Opel den Amerikanern. Opel entwickelt Modelle für den Mutterkonzern und hat weltweit die Verantwortung für das neue Mittelklasse-Modell Insignia, das am Wochenende zu den Händlern kommt, sowie den Kompaktwagen Astra. Ein wichtiges Prestigeprojekt ist das Elektroauto Volt, das der deutsche Ingenieur Frank Weber mitentwickelt hat.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bezweifelt, ob durch eine Herauslösung von Opel überhaupt eine profitable Einheit entstehen würde. GM weist keine Zahlen für Opel aus, wohl aber für GM-Europe. Und seit 2000 habe es kein Jahr gegeben, in welchem GM Europe keinen Verlust produziert habe. Opels-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz warf der GM-Führung kürzlich vor, die in den USA entstandenen Verluste durch interne Verrechnungsmethoden auf Opel abzuwälzen.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking könnte mit Staatshilfen für Opel leben. „Ich glaube, man muss sich das durch den Kopf gehen lassen“, sagte er am Dienstagabend in Markgröningen bei Stuttgart. Opel sei unter den deutschen Autobauern ein Sonderfall. Ein Subventions-Wettlauf der Autobauer sei deshalb nicht zu befürchten. Porsche selbst werde keine Hilfen in Anspruch nehmen. „Luxus und Stütze – das passt nicht zusammen“, sagte Wiedeking. mit dpa

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