Wirtschaft : Geplantes Halbleiterwerk: Intel dämpft die Erwartungen in Frankfurt

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Die Freude in Frankfurt (Oder) ist groß: Für rund drei Milliarden Mark soll hier, im strukturschwachen Gebiet an der polnischen Grenze, ein Halbleiterwerk gebaut werden, 1500 neue Arbeitsplätze werden entstehen und der weltweit führende Chiphersteller Intel beteiligt sich daran. Was für die Frankfurter wie ein kleines Wunder klingt, ist für Intel alles andere als großartig. Von einer neuen Fabrik des Chipherstellers könne gar keine Rede sein, heißt es hier. Ganz im Gegenteil: Für die Amerikaner ist die Investition nur ein Engagement unter Hunderten weltweit. In rund 550 Firmen hat Intel Capital, die Risikokapital-Tochter von Intel, derzeit sein Geld investiert.

"Wir gehen nie Engagements mit mehr als 25 Prozent Anteil ein, in der Regel liegt unser Investitionsanteil bei zwei bis zehn Prozent", umschreibt Thorsten Krumm die Strategie von Intel. Meldungen, wonach Intel mit einem 25-Prozent-Anteil an dem neuen Werk beteiligt sei, wollte der Manager nicht bestätigen. Krumm ist für die Anlagen von Intel Capital in Deutschland, der Schweiz und Österreich zuständig.

Der genaue Anteil des Chipherstellers an der geplanten Frankfurter Fabrik sei nur schwer zu bestimmen, weil er von der Bewertung der Technologie abhänge, die Intel einbringe. Während das Kapital für die Investition in Frankfurt (Oder) von Intel Capital kommt, stellt die Intel-Sparte Technology and Manufacturing die Technologie. Über den Wert des Intel-Anteils schweigt das Unternehmen, offenbar liegt er aber unter 25 Prozent. Weitere Investoren, wie sie derzeit gesucht werden, würden den Anteil laut Intel künftig verkleinern.

Emirat Dubai als Partner

Derzeit stehen das Frankfurter Institut für Halbleiterphysik (IHP) und das Emirat Dubai als Partner fest. Das Land Brandenburg bemüht sich um weitere Anteilseigner, um das Vorhaben zu finanzieren. "Wir glauben an das Werk", betont Günther Jünger, Geschäftsführer der Intel GmbH, die von München aus für Zentraleuropa zuständig ist. Noch allerdings steht die Finanzierung nicht. Wegen hoher staatlicher Zuschüsse könnten das Projekt bei der EU in Brüssel gefährdet sein.

Intel investiert praktisch jeden Tag in neue oder bestehende Unternehmen. Im vergangenen Jahr flossen die Dollars in 350 Firmen, darunter auch 50 in Europa. So stieg Intel unter anderem mit 250 Millionen Dollar bei der Siemens-Halbleiter-Tochter Infineon ein. Intel investiert in Europa vor allem in Firmen, die mit dem Internet zusammenhängen, die optische Technologien voranbringen, der Computerindustrie allgemein nutzen oder in Unternehmen, die sich mit dem Kommunikationsbereich beschäftigen, etwa bei drahtlosen Übertragungsformen.

In den letzten Bereich fällt für Intel-Geschäftsführer Jünger auch das Engagement in Frankfurt (Oder). Intel ist in Deutschland bislang nicht in der Halbleiter-Fertigung engagiert. Der US-Chiphersteller hält aber Anteile an einigen deutschen Firmen, neben Infineon unter anderem auch an Brokat und Openshop. Jünger lässt keinen Zweifel daran, dass der Produktionsstandort Frankfurt (Oder) für Intel interessant ist.

Nähe zu Systemherstellern

"Europa ist in der Mobilfunk-Technologie weiter als die USA", betont Jünger, "und von hier aus sind wir nahe dran an Systemherstellern", also etwa Ericsson, Nokia oder Siemens. "Der Absatzmarkt stimmt." Selbst, wenn Intel das gesamte Werk in Frankfurt übernehmen würde: Das Portfolio von Intel Capital ist derzeit etwa 3,7 Milliarden Dollar wert, also weit mehr als das doppelte der Investitionssumme an der Oder. Was für Brandenburg ein großer Schritt ist, wird für Intel höchstens zu einem kleinen Hüpfer. Auch wenn Intel das so nicht sagen würde: "Wir sind ein aktiver Partner in dem Projekt", heißt es lediglich.

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