Geplatzte Fusion : Piëch hat nicht aufgepasst bei Porsche

VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch hat einer Gerichtsentscheidung zufolge seine Pflichten als Aufsichtsrat der Porsche SE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzt.

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Hintergrund sind Äußerungen Piëchs bei der Präsentation des neuen VW Polo auf Sardinien im Mai 2009. Piëch äußerte sich damals zu den komplizierten Finanzgeschäften, mit deren Hilfe Porsche einst den viel größeren VW-Konzern übernehmen wollte. Piëch habe sinngemäß gesagt, er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte von Porsche verschaffen können und wisse nicht, wie hoch die Risiken seien, teilte das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart am Mittwoch mit. Es habe jedoch zu Piëchs „Kardinalpflichten“ als Aufsichtsrat der Porsche SE gehört, wichtige Geschäfte des Unternehmens zu erfassen und zu beurteilen. Dies schließe die eigenständige Abschätzung von Risiken ein.

Das Fazit von OLG-Präsident Eberhard Stilz: Wenn Piëchs Äußerungen zutreffen, hätte er die Geschäfte verhindern müssen. Selbst wenn die Aussagen des Managers als Kritik in der Auseinandersetzung mit Porsche gedacht waren, hat er damit nach Auffassung des Gerichts seine Pflichten schwerwiegend verletzt.

In der ersten Jahreshälfte war der Kampf um die Macht im künftigen Großkonzern Porsche/VW voll entbrannt. Ursprünglich wollte Porsche VW auch mit Hilfe komplizierter Finanztransaktionen übernehmen. Doch die Schwaben hatten sich dabei verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Piëch hatte auf Sardinien gesagt, für Porsche sei es im Augenblick schwer, Geld aufzutreiben. Mit seinen Äußerungen hat der Manager nach Ansicht des Gerichts die Kreditwürdigkeit der Porsche SE gefährdet.

Auch Wiedekings Hoffnungen auf eine Fusion auf Augenhöhe erteilte Piëch bereits damals einen Dämpfer. Wenige Monate später, im Juli 2009, scheiterte Wiedeking endgültig mit seinem Plan und musste gehen. Porsche soll nun in den VW-Konzern integriert werden. Beide Unternehmen suchen derzeit nach einem geeigneten Weg. Die Wunschlösung war im vergangenen Jahr geplatzt: Wegen der Übernahmeschlacht kämpfen Porsche und VW juristisch an mehreren Fronten. Unmittelbare Folgen hat das Urteil zunächst weder für Piëch noch für die Porsche SE. dpa

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