Gerechtigkeitsdebatte : CDU streitet über Begrenzung von Managergehältern

Beim CDU-Parteitag in Hannover sorgt die Debatte über millionenschwere Vorstandsbezüge in der Union für Streit. Die Spitzenmanager verteidigten nach der Kritik von Bundespräsident Köhler ihre Gehälter.

Maximilian Steinbeis
Managergehälter
Zu viel verdient? Beobachter erwarten, dass auch die Kanzlerin Managergehälter wie die von Josef Ackermann rügt. -Foto: dpa

Berlin„Die Frage, wie hoch Managergehälter sein sollen, ist nicht Sache der Politik“, sagte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) dem „Handelsblatt“. „Wir brauchen ein Klima des Vertrauens. Ich habe ein Grundvertrauen in diejenigen, die Unternehmen führen, genauso wie in die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten.“ Die Debatte hatte Bundespräsident Horst Köhler angestoßen. Das Staatsoberhaupt hatte im Interview mit dem „Handelsblatt“ davor gewarnt, mit überzogenen Vorstandsbezügen den sozialen Frieden und den „Zusammenhalt der Gesellschaft“ in Deutschland zu gefährden. Es gebe in der Bevölkerung das „nachvollziehbare Gefühl, dass etwas nicht stimmt, wenn die Einkommen der einen stark steigen, die der anderen dagegen eher stagnieren“.

Köhler war mit diesem Vorstoß auf ein unerwartet heftiges Echo gestoßen. Zahlreiche Spitzenpolitiker von SPD und CDU hatten sich seiner Forderung angeschlossen. Parallel dazu hatte Porsche bekannt gegeben, dass die sechs Vorstandsmitglieder im vergangenen Geschäftsjahr 112 Millionen Euro verdient haben. Diverse Spitzenmanager verteidigten am Wochenende ihre Bezüge.

"Die Politik sollte nicht Neiddebatten verstärken“

„Die Politik sollte nicht Neiddebatten verstärken“, sagte Althaus. „Die Herausforderungen durch die Globalisierung werden noch zunehmen. Da ist die Politik gut beraten, nicht den Eindruck zu erwecken, man könnte durch Umverteilung von oben nach unten Gerechtigkeit herstellen.“ Andere CDU-Spitzenpolitiker unterstützten jedoch Köhlers Mahnung. „Die Politik darf fragen, warum das Vertrauen zwischen Wirtschaft und Bevölkerung immer schwieriger herzustellen ist“, sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch dem „Handelsblatt“.

Gesetzliche Maßnahmen, wie sie etwa Saar-Ministerpräsident Peter Müller vorgeschlagen hatte, hält Koch aber nicht für angezeigt: Es sei nicht Sache des Staates, regelnd einzugreifen. Müller hatte angeregt, über eine Deckelung des steuerlichen Abzugs von Gehältern als Betriebsausgaben nachzudenken. Nach Ansicht von Laurenz Meyer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, ist das schon rechtlich nicht möglich, „das ist allemal Lohnaufwand“. Man könne nicht zwischen vernünftigem und unvernünftigem Lohnaufwand differenzieren. Meyer wies darauf hin, dass auch im Arbeitgeberlager die Verärgerung über die Vergütungspraxis der Konzerne groß sei. Die mittelständischen Unternehmer fühlten sich durch die „exorbitanten Ausreißer“ bei einigen Großunternehmen zu Unrecht mit an den Pranger gestellt.

Manager halten ihre Gehälter für angemessen

Der Regierungschef von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, stärkt dem Bundespräsidenten den Rücken. „Die Proportionen sind erheblich aus dem Lot geraten.“ Niemand bestreite, dass sich Leistung lohnen und höhere Verwantwortung mit mehr Geld honoriert werden müsse. „Aber dass jemand in einem Tag mehr verdient als andere in einem Jahr, ist einfach unverhältnismäßig. Das führt nicht nur zu Neid, sondern zu Unzufriedenheit mit dem System.“ Daher gehöre es zur gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen, dafür zu sorgen, dass die Vorstandsbezüge nicht völlig aus dem Ruder laufen. Auch die Gewerkschaften müssten sich unangenehmen Fragen stellen, so Böhmer. „Es ist interessant zu sehen, wer für die Gewerkschaften in den Aufsichtsräten sitzt. Das sind oft Berufs-Arbeitnehmervertreter, die in mehreren Aufsichtsräten sitzen und sich schon an den dort üblichen Lebensstil adaptiert haben.“

Verschiedene Manager verteidigten am Wochenende ihre Gehälter. Continental-Chef Manfred Wennemer sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sein Gehalt von vier Millionen Euro sei „angesichts der guten Position“ des Konzerns angemessen. Telekom-Chef René Obermann, laut „Bild am Sonntag“ mit 2,6 Millionen Euro vergütet, erklärte, seine Bezüge seien im Rahmen, wenn man seine Verantwortung und seine 90-Stunden-Woche bedenke.

Auch Siemens-Chef Peter Löscher (schätzungsweise 4,4 Millionen Euro) nannte sein Gehalt angemessen. Es liege im nationalen und internationalen Vergleich „nicht in der Spitzengruppe“. Man habe „Augenmaß“ bewiesen. Bahnchef Hartmut Mehdorn, der 3,2 Millionen Euro verdient, wies darauf hin, dass drei Viertel seiner Bezüge erfolgsabhängig seien. Die Chefs der 30 Dax-Konzerne bekamen laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz 2006 im Durchschnitt 3,417 (Vorjahr: 3,185) Millionen Euro in bar. Spitzenreiter war demnach Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Gesamtbezügen von 13,2 Millionen Euro. (HB/mit dpa)

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