Wirtschaft : Gerhard Richter über die Spannung zwischen steigenden Zinsen und wachsenden Gewinnen

Aus der Serie "Banker-Tipp"

Die aktuelle Konsolidierung am Aktienmarkt dürfte anhalten. Aufgrund ihrer Hartnäckigkeit hat sie gerade bei den in Mode gekommenen Technologie- und Telekomwerten zu starken Kursverlusten geführt. Auch wenn in Europa der Anteil kreditfinanzierter Engagements im Vergleich zu den USA gering sein dürfte, sind temporäre Abgaben wahrscheinlich. In solchen Phasen lässt auch der Liquiditätsfluss in die Investmentfonds nach, so dass ein wichtiger Liquiditätsspender der Börse kurzfristig eingeschränkt ist. Auch der pralle Emissionskalender - immerhin steht die Telekom mit ihrer dritten Tranche vor der Tür - entzieht dem Markt Liquidität.

Die lange geschmähten traditionellen Aktien aus dem Konsum-, Banken-, Chemie- und Pharmabereich, die nach einer oftmals katastrophalen Wertentwicklung im letzten Jahr vielfach günstig bewertet waren, legten teilweise deutlich zu. Das zeigt, dass man die "Old Economy" nicht einfach abschreiben darf.

Eine rasche Wiederherstellung des günstigen Börsenklimas, das euphorische Züge trug, ist kaum vorstellbar. Zumal die Zinsdiskussion auch nach der deutlichen Zinsanhebung von 0,5 Prozent durch die amerikanische Notenbank in der letzten Woche noch nicht beendet ist. Am Donnerstag steht die EZB mit ihrer turnusmäßigen Sitzung wieder im Blickfeld. Auch hier wartet der Markt auf die nächste Zinserhöhung. Der schwache Euro liefert die Gefahr einer importierten Inflation und könnte die europäische Notenbank zu einer Verteidigungsstrategie zwingen, indem sie die Zinsen weiter erhöht.

Die Aktienmärkte bleiben somit im Spannungsfeld zwischen steigenden Gewinnen und steigenden Zinsen gefangen. Die Gewinnerwartungen sind weiter verbessert, was auch durch die ersten Zahlen zum laufenden Geschäftsjahr bei den meisten Unternehmen bestätigt wird. Auch einige europäische Branchen wie die Chemie, der Maschinenbau oder der Pharmasektor profitieren durch ein starkes Exportgeschäft vom niedrigen Euro.

Die mittelfristigen Aussichten gestalten sich weiterhin positiv, zumal auch mit einer Beruhigung an den Zinsmärkten im zweiten Halbjahr gerechnet wird. Daher sollten die noch bestehenden Kursrisiken nicht allzu groß sein. Da der Investitionsschwerpunkt auch in den kommenden Jahren klar in den Bereichen Technologie / Infrastruktur bleiben wird, ist damit zu rechnen, dass dieser Bereich nach Überwinden der Stimmungstiefs und nach den erheblichen Korrekturen die Marktführerschaft wiedererlangen wird. In diesem noch etwas unsicheren Umfeld erscheint uns eine Aktie wie Royal Dutch, der zweitgrößte private Ölkonzern der Welt, als attraktiv. Aufgrund der guten weltwirtschaftlichen Perspektiven dürfte der Ölpreis sein aktuelles Niveau von 20 bis 25 Dollar halten und damit dem Ölkonzern weiter steigende Gewinne bescheren. Neben den guten Kurschancen zeichnet sich die Royal Dutch Aktie auch mit einer Dividendenrendite von über vier Prozent aus.Aus der Serie "Banker-Tipp"

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