Wirtschaft : Gerhard Schmid lässt die Finger nicht von Mobilcom

Der Mobilcom-Gründer ist mit der Führung des Unternehmens unzufrieden und kündigt den Treuhandvertrag mit Helmut Thoma

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Berlin (vis). Der MobilcomGründer und Großaktionär Gerhard Schmid denkt nicht daran, sich aus der Führung des Unternehmens herauszuhalten. Inzwischen hat er den Treuhandvertrag einseitig gekündigt und jetzt einen neuen Treuhänder bestimmt: den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert. Grundlage des Treuhandvertrags sei die rasche Sanierung und Neuausrichtung des Unternehmens gewesen, sagte eine Sprecherin Schmids. „Diese Bedingungen werden nach Ansicht von Gerhard Schmid aber nicht erfüllt.“

Der bisherige Treuhänder, der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma, hält die Kündigung des Vertrages allerdings für unwirksam. Auch aus dem Wirtschaftsministerium hieß es, „der alte Treuhandvertrag besteht weiter“. Nach Informationen des Tagesspiegel sieht das Ministerium keinen rechtmäßigen Grund für eine Kündigung. Mobilcom und France Télécom wollten den Schritt Schmids am Donnerstag nicht kommentieren.

Der Treuhandvertrag war ein entscheidender Bestandteil des Rettungsplans für die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Mobilcom gewesen. Nach monatelangem Streit zwischen dem Mobilcom-Gründer Schmid mit dem Großaktionär France Télécom (28,5 Prozent der Anteile) hatte sich auch die Bundesregierung für eine Rettung des Unternehmens eingesetzt, um so die Mehrzahl der rund 5000 Arbeitsplätze zu retten. Doch die Banken und France Télécom wollten Mobilcom nur helfen, wenn Schmid in dem Unternehmen nichts mehr zu sagen hat. Daher verlangten sie die Einsetzung eines Treuhänders, der die Mobilcom-Aktien für Schmid verwalten soll. Schmid hält mit seiner Frau noch etwa 42 Prozent der Anteile. Nach langem Hin und Her einigten sich alle Beteiligten Ende vergangenen Jahres endlich auf den ehemaligen RTL-Chef Helmut Thoma.

Doch der passt Schmid jetzt offenbar nicht mehr. Thoma sagte dem Tagesspiegel, er habe in der letzten Aufsichtsratssitzung kurz vor Weihnachten eine Entscheidung mitgetragen, die Schmid so nicht von ihm erwartet habe. Es sei allerdings keine schwerwiegende Entscheidung gewesen, sagte Thoma. „Herr Schmid hat nur nach einem Anlass gesucht, den Vertrag zu kündigen.“ In Wahrheit sei Schmid mit der Entwicklung des Mobilcom-Aktienkurses unzufrieden. Eine Kündigung des Vertrages sei dagegen nur aus genau festgelegten wichtigen Gründen möglich, sagte Thoma. „Diese Gründe liegen nicht vor.“ Thoma sagte weiter, er werde sich nicht gegen eine von Schmid vorgeschlagene Doppeltreuhänderschaft gemeinsam mit Gellert wehren. „Ich glaube aber nicht, dass das die anderen Seiten akzeptieren werden“, sagte Thoma.

Nach Auskunft seiner Sprecherin will Schmid den Sanierungsexperten Gellert in das Unternehmen bringen, weil er dem jetzigen Vorstandschef Thorsten Grenz diese Aufgabe nicht zutraut. Die Führungsfrage sei nicht geklärt, Thorsten Grenz ein Vorstand auf Abruf, sagte die Sprecherin. „Die Sanierung kommt nicht in Gang.“ Dies sei deutlich am Aktienkurs abzulesen. Der Börsenkurs ist auch nach der Vereinbarung mit France Télécom, die rund sieben Milliarden Euro Schulden von Mobilcom übernommen hat, weiter gesunken. Am Donnerstag legte der Mobilcom-Kurs dagegen zu. Bis zum Börsenschluss stieg er um 3,2 Prozent auf 3,20 Euro.

Unterdessen rückt ein umstrittenes Aktien-Optionsprogramm aus dem vergangenen Jahr verstärkt ins Blickfeld der Justiz. Schmid hatte noch als Vorstandsvorsitzender mit der Firma Millennium, die seiner Ehefrau gehört, ein Aktien-Optionsgeschäft abgeschlossen, das zu einer Zahlung von 71 Millionen Euro führte. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat deshalb ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. „Es geht um einen Anfangsverdacht unter dem rechtlichen Gesichtspunkt der Untreue“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Weitere Erklärungen gebe er derzeit nicht ab, sagte Wick.

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