Wirtschaft : Gerhard Schmid steht vor der Pleite

Mobilcom-Gründer droht die Zahlungsunfähigkeit

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Berlin (vis). Der MobilcomGründer und Großaktionär Gerhard Schmid steht vor der Pleite. Am Freitag stellte er beim Amtsgericht Flensburg einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren über sein privates Vermögen (siehe Lexikon). Ihm drohe die Zahlungsunfähigkeit, teilte Schmid mit.

Der Löwenanteil des Vermögens von Schmid besteht aus seinem Mobilcom-Aktienpaket. Das aber wird durch den dauernden Kursverfall immer weniger Wert. Zudem hat Schmid Schulden bei Grundstücks- und Immobiliengeschäften angehäuft.

Das Flensburger Amtsgericht leitete ein vorläufiges Insolvenzverfahren ein und bestellte den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert zum Insolvenzverwalter, den Mann, den Schmid sich auch als Treuhänder für sein Aktienpaket an Mobilcom wünscht. Schmid kann nun über sein Vermögen nur noch mit Zustimmung des Insolvenzverwalters verfügen. Andererseits können Banken nach den Worten Gellerts vorerst keine Schuldtitel vollstrecken.

Zur tatsächlichen Höhe seiner Schulden wollte sich Schmid am Montag nicht äußern. Er sagte lediglich, dass es weniger als 300 Millionen Euro seien. In dem Machtkampf um die Führung bei Mobilcom hatte Schmid Mobilcom-Anteile auf Kredit zugekauft. Seit der Aktienkurs auf Talfahrt ist, gerät Schmid unter Druck, weil der Wert der Aktien den Kredit nicht mehr deckt. Sein Vermögen sei dennoch nicht Null, Schmid habe keinen Offenbarungseid geleistet, sagte eine Sprecherin Schmids.

Der Aufsichtsrat hatte Schmid im vergangenen Juni als Mobilcom-Chef gestürzt. Mobilcom stand kurz vor dem Aus, weil der abtrünnige Partner France Télécom nach monatelangen Streitigkeiten mit Schmid den teuren Aufbau des UMTS-Mobilfunknetzes nicht mehr bezahlen wollte. Die Bundesregierung schaltete sich ein. Unter Vermittlung des ehemaligen Thyssen-Chefs Dieter Vogel wurde ein Rettungspaket für die angeschlagene Mobilcom geschnürt. Eine wichtige Bedingung, die alle an der Rettung Beteiligten stellten: Schmid darf keinen Einfluss mehr auf das Unternehmen nehmen. Das Problem: Schmid hält gemeinsam mit seiner Frau noch immer 42 Prozent der Anteile an dem norddeutschen Mobilfunkunternehmen. Seine Anteile musste Schmid aber inzwischen an einen Treuhänder übergeben, den ehemaligen RTL-Chef Helmut Thoma.

Mittlerweile hat Schmid den Treuhandvertrag zum zweiten Mal einseitig gekündigt. Thoma und die Bundesregierung halten die Kündigung jedoch für unwirksam. Am Montag kündigte Schmid Schadenersatzklagen gegen Thoma und Vogel an. Beiden wirft er vor, durch ihre Entscheidungen für den Kursverfall der Mobilcom-Aktien mitverantwortlich zu sein. „Ich will das Heft des Handelns nicht weiter aus der Hand geben“, sagte Schmid. Er ließ dabei offen, wie er sich die Einflussnahme bei Mobilcom vorstellt. Eine Sprecherin Schmids sagte, als Insolvenzverwalter habe Gellert weitreichende Auskunftsrechte gegenüber der Mobilcom und könne auf der Hauptversammlung Schmids Stimmrecht wahrnehmen.

Insolvenzverwalter Gellert kündigte an, in den nächsten Tagen das Vermögen Schmids und seine Schulden zu erfassen sowie die bestehenden Verträge zu prüfen. Schmid verfüge über sein Vermögen nun nur noch mit seiner Zustimmung, sagte Gellert. Er sehe seine Aufgabe durchaus als „aktiven Job“. So wolle er auch das Verhältnis zu France Télécom klären und einen gemeinsamen Kurs beider Großaktionäre ermöglichen.

Unterdessen teilte die Mobilcom AG mit, dass das über Schmids Privatvermögen eröffnete Insolvenzverfahren weder die Aktivitäten noch die Verträge mit Mobilcom beeinflusse.

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