Wirtschaft : Gericht billigt VW-Aktienoptionsplan

BRAUNSCHWEIG (AFP/lü/HB).Der Aktienoptionsplan der Volkswagen AG zur Beteiligung aller Mitarbeiter am Gewinn des Unternehmens ist zulässig, wird aber vermutlich frühestens Ende 1999 in Kraft treten können.Das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig gab am Mittwoch der Berufung von VW gegen eine erstinstanzliche Entscheidung statt.Das Landgericht hatte auf Betreiben des Kleinaktionär-Vertreters Ekkehard Wenger den von der VW-Hauptversammlung im Juni 1997 beschlossenen Plan für nichtig erklärt.VW-Sprecher Peter Blechinger sagte, das Unternehmen werde mit der Umsetzung des Vorhabens aber die letzte Instanz abwarten.Wenger hatte bereits im Vorfeld angekündigt, gegen ein für ihn negatives OLG-Urteil Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) einzulegen.(Az.3 U 75/98) Der Wirtschaftsprofessor und VW-Kleinaktionär Wenger sagte zur Begründung der Revision: "So einen Mist kann man sich nicht gefallen lassen." Nach der mündlichen Verhandlung habe ihn das Urteil allerdings nicht mehr überrascht: "Die haben dabei doch klargemacht, daß der Aktionär nicht alles wissen muß", kritisierte Wenger.

Volkswagen will dem Plan zufolge 2,7 Mill.sogenannte Wandelschuldverschreibungen im Wert von je fünf DM an alle Mitarbeiter verkaufen, also auch an Mitglieder des Managements.Jedes Zeitpapier berechtigt nach frühestens zwei und spätestens fünf Jahren zum Kauf einer VW-Stammaktie.Kurs ist der Wert, der fünf Tage vor Ausgabe der Option gemeldet wurde.Eine Wertsteigerung können die Erwerber als Gewinn verbuchen.Bei einem Kursrückgang können die Mitarbeiter die Aktie ohne Risiko zum Nennwert an das Unternehmen verkaufen.Wenger hatte die seiner Ansicht nach ungenügende Information der Aktionäre und eine Verletzung von Minderheitsrechten durch Ausschluß des Bezugsrechts der Aktionäre gerügt.

Der 3.OLG-Senat erklärte die Beschlußfassung der VW-Hauptversammlung dagegen für wirksam.Die gesetzlichen Vorgaben für die Ermächtigung "zur Begebung einer Wandelschuldverschreibung mit Ausschluß des Bezugsrechts der Aktionäre" seien ebenso erfüllt wie die Richtlinien für eine bedingte Kapitalerhöhung.Um das Umtauschrecht bedienen zu können, hatte die VW-Hauptversammlung eine bedingte Kapitalerhöhung von 135 Mill.DM beschlossen.

Wie VW versuchen auch andere deutsche Unternehmen, ihre Manager über Stock-Option-Modelle an Kurssteigerungen zu beteiligen.Aufgrund heftiger öffentlicher Kritik und gerichtlicher Auseinandersetzungen wurden die Programme von VW, Daimler und Deutsche Bank aber erst einmal auf Eis gelegt.Vor allem Wenger übt harsche Kritik an den Stock-Options-Modellen.Bei dieser Form der Vergütung könnten die Manager auch deshalb ungerechtfertigte Vorteile erlangen, weil die Vereinbarung über die Kursentwicklung keine Indexbereinigung enthält, indem etwa nur Kurssteigerungen gewertet werden, die über der Entwicklung des Dax liegen.

Seine Kritik bezieht sich aber auch auf die Tatsache, daß zur Bedienung der an die Manager ausgegebenen Bezugsrechte auf junge Aktien eine Kapitalerhöhung notwendig ist, die den Kurs verwässert.Hier entstehe quasi Personalaufwand, der aber vom Aktionär nicht steuerlich abgesetzt werden könne.

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