Wirtschaft : Gericht durchkreuzt weltgrößte Bankenfusion

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Amsterdam/London - Die geplante Fusion der britischen Bank Barclays und der niederländischen Bank ABN Amro kommt vorerst nicht zu Stande. Ein Gericht in Amsterdam untersagte ABN Amro am Donnerstag den schon vereinbarten Verkauf ihrer Tochtergesellschaft La Salle an die Bank of America. Dieser ist aber eine zentrale Voraussetzung für Barclays, um das niederländische Institut zu übernehmen. Jetzt erhält ein Konsortium um die Bank of Scotland Auftrieb, das ABN Amro einschließlich La Salle mit einer feindlichen Übernahme droht. Barclays will trotz der gerichtlichen Hürden an der Übernahme von ABN Amro festhalten. Das teilten die Briten am Donnerstagabend in London mit.

Gegen den La-Salle-Verkauf waren ABN-Aktionäre mit dem Einwand vor Gericht gezogen, das Geschäft hätte von ihnen genehmigt werden müssen. Das Gericht gab ihnen recht und verbot es ABN, den bereits mit der Bank of America geschlossenen Vertrag zu vollziehen.

Den Verkauf von La Salle für 15,5 Milliarden Euro hatte ABN-Amro-Chef Rijkman Groenink in nur vier Tagen ausgehandelt, kurz vor der Einigung mit Barclays über eine Fusion. Der Schritt galt als taktischer Trick, um Konkurrenten von Barclays im Übernahmekampf um ABN Amro auszumanövrieren. Andere Bieter haben nur noch bis Sonntagabend Zeit, die Bank of America zu übertrumpfen, die dann aber immer noch gleichziehen kann und dann auch zum Zuge käme.

Diese Abmachungen waren auf der Hauptversammlung von ABN Amro vergangene Woche heftig kritisiert worden. Viele Anteilseigner sind an dem Angebot der Bank of Scotland interessiert, die von der belgisch-niederländischen Finanzgruppe Fortis und der spanischen Bank Santander unterstützt wird. Diese drei wollen ABN Amro unter sich aufteilen. Das Trio hat den Aktionären von ABN Amro deutlich mehr geboten als Barclays. Der Kurs der niederländischen Bank zog nach dem Gerichtsurteil wieder an. dpa

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