Wirtschaft : Gericht entscheidet über Werbung am Telefon

BERLIN (AFP). Das Berliner Landgericht will am Dienstag darüber verhandeln, ob Telefonanbieter ihre Dienstleistung künftig mit Werbepausen finanzieren dürfen. In dem Verfahren will der Berliner Verbraucherschutzverein dem Telefonanbieter Teleflash gerichtlich verbieten lassen, Gespräche alle 90 Sekunden mit Werbespots zu unterbrechen. Die Verbraucherschützer sehen in den Werbepausen eine Belästigung des angerufenen Gesprächspartners, der sich nicht gegen die Unterbrechung wehren könne. Das Landgericht muß in dem Präzdenzfall abwägen, ob es dem Schutz der Privatsphäre oder der unternehmerischen Freiheit einen höheren Stellenwert einräumt. Die Verbraucherschützer stoßen sich daran, daß die Leitungen von Teleflash alle eineinhalb Minuten für 20 Sekunden mit Werbung unterbrochen werden. Sie sehen darin eine "unzulässige Kommerzialisierung der Privatsphäre", da der Angerufene sich seinen Telfondienstleister nicht selbst aussuchen könne. Mitte März verklagte der Verbraucherschutzverein den Telefonanbieter deshalb wegen unlauteren Wettbewerbs beim Berliner Landgericht und forderte die Einstellung des Telefondienstes.Teleflash hatte als erster Telefonanbieter in Deutschland kostenloses Telefonieren mit Werbeunterbrechungen angeboten. Nach einer einmaligen Anmeldegebühr von 38 DM mußte für die Gespräche nichts weiter gezahlt werden. Zur Zeit sind die Leitungen des Unternehmens allerdings tot: Im Februar hatte der Verbraucherschutzverein den Telfondienstleister schriftlich abgemahnt, weiter Werbung per Telefon zu schalten. Teleflash hatte diese ignoriert, woraufhin die Verbraucherschützer Klage erhoben. Der Berliner Telefon-Anbieter stellte daraufhin seinen Dienst vorläufig ein, um nach den Worten von Teleflash-Anwalt Kurt Mitzkus "über die Verbraucher Druck auszuüben". "Tausende von Kunden" hätten sich bereits bei den Verbraucherschützern beschwert. Beschwerden kamen allerdings auch von Verbrauchern, die von Teleflash ihre 38 DM Grundgebühr nicht zurückbekamen. Teleflash vertröstete seine Kunden auf die Zeit nach dem Urteil.

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