Wirtschaft : Gericht macht Kirch-Erben Hoffnung

München - Im Kirch-Prozess gegen die Deutsche Bank hat das Oberlandesgericht München am Freitag versucht, die Höhe des möglichen Schadens zu klären. Die Richter halten es inzwischen für wahrscheinlich, dass der Insolvenzverwalter und die Erben des verstorbenen Leo Kirch einen berechtigten Schadenersatzanspruch haben.

Der frühere Kirch-Media-Chef Dieter Hahn sagte als Zeuge, der Notverkauf des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 für 1,3 Milliarden Euro an Walt Disney sei eine Woche vor der Insolvenz im April 2002 am „enormen Zeitdruck“ gescheitert. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer habe im Februar 2002 mit einem Fernsehinterview, in dem er Kirchs Kreditwürdigkeit bezweifelte, den Druck auf Kirch erhöht – wohl, um einen lukrativen Auftrag bei der Sanierung des maroden Konzerns zu erhalten. Das habe Kirchs wirtschaftlichen Bewegungsraum im Kampf gegen die „bereits gegebene oder noch eintretende Insolvenz“ weiter eingeengt, so die Richter.

Die Kirch-Seite fordert wegen vorsätzlicher Schädigung des Unternehmens 2,0 Milliarden Euro von der Deutschen Bank. Weitere 1,3 Milliarden Euro werden in einem parallel laufenden Verfahren über Kirchs Beteiligung am Axel-Springer-Verlag gefordert. Das Gericht hatte im März eine Zahlung von 775 Millionen Euro als Vergleich vorgeschlagen, dies wurde aber abgelehnt.

Nach bisheriger Planung wollte das Oberlandesgericht am 16. November die Plädoyers im ersten Prozess hören. Auch Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen ist zu diesem Termin vorgeladen. Eine Urteilsverkündung bereits am 16. November halten die Anwälte beider Seiten für ausgeschlossen. dpa

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