Wirtschaft : Gericht prüft Anklage gegen Fondschef Jagdfeld Ermittler werfen ihm Untreue beim Adlon vor

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Berlin - Das Adlon am Pariser Platz hat er gebaut, das Grand Hotel Heiligendamm, das Quartier 206 in der Friedrichstraße – nun muss Fondsmulti Anno August Jagdfeld seine ganze Energie in den Kampf gegen eine drohende Haftstrafe einsetzen. Beim Landgericht Aachen liegt die Anklage der Staatsanwaltschaft Köln, die Jagdfeld fünf Mal „Untreue in besonders schwerem Fall“ vorwirft. Sollte das Gericht die Anklage zur Hauptverhandlung zulassen, droht ihm bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren.

Der 65-jährige Unternehmer, der als Geschäftsführer des Adlon-Fonds angeschuldigt ist, sagt: „Die Vorwürfe sind vollkommen unzutreffend, was das weitere Verfahren zeigen wird“. Die Anklageschrift stütze sich auf die Aussagen von „zwei, offenkundig unzufriedenen Anlegern“, zwei von rund 4400, die ihr Kapital für die Errichtung des Hotel Adlon am Pariser Platz bereitgestellt hatten. Die „unzutreffenden“ Vorwürfe richteten sich gegen „Gesellschafterbeschlüsse, die mit übergroßer Mehrheit von den Anlegern getroffen und seither wiederholt bestätigt worden“ seien. Auf derselben Grundlage sei schon ein Antrag auf Abwahl von Jagdfeld als Geschäftsführer des Adlon-Fonds gescheitert, so ein Sprecher weiter. Jagdfeld sehe dem weiteren Verfahren „gelassen entgegen“.

Stoische Gelassenheit, Verhandlungsgeschick sowie ausgeklügelte Fonds- und Firmenstrukturen – das bescheinigen Freund wie Feind dem Unternehmer, der stets in elegantes Tuch drapiert ist und die Lektüre der alten Griechen zu seinen Leidenschaften zählt. Doch ganz so gleichmütig, wie die Erklärungen der Fundus-Gruppe es erscheinen lassen, dürfte diese Anklage den Firmen-Patriarchen nicht gelassen haben. Denn der strafrechtlichen Offensive ging eine zivilrechtliche Fehde beim Oberlandesgericht Köln voraus, bei der sich Jagdfelds Gegner laut deren Rechtsanwalt Thomas Fritsch durchsetzen konnten. Die Anklage in Aachen sei eingereicht worden, erst nachdem der Gerichtsbeschluss in Köln ergangen war – sie stelle gleichsam dessen strafrechtliche Konsequenz dar.

Und darum geht es: Um das Jahr 2002 beschlossen die Anleger des von Jagdfeld initiierten Adlon-Fonds Investitionen in den südöstlich angrenzenden Anbau des Hotels. Das dazu nötige Geld sollte ausschließlich von Anlegern beschafft werden und nicht als Kredit von einer Bank. Falls nicht genügend Privatkapital zusammenkäme, sollte eine andere Firma aus der Jagdfeld-Gruppe das fehlende Geld beisteuern. Auf diese Weise sollten keine Bankzinsen anfallen und dies sollte den Anlegern auch garantiert werden. Jedoch: „Der Angeschuldigte soll eine Vereinbarung getroffen haben, mit der diese Firma aus den Zins- und Platzierungsgarantien herausgelassen wurde“, sagt Daniela Krey, Sprecherin des Aachener Landgerichts. Dort wird geprüft, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Die Jagdfeld-Gruppe bestreitet die Vorwürfe und verweist auf Beschlüsse der Gesellschafterversammlung. Diese hätten sie dazu berechtigt. Außerdem sei Jagdfeld als Geschäftsführer entlastet worden. Doch die Ankläger gehen davon aus, dass durch die Entlassung aus den Garantien ein „Zinsschaden von rund 14 Millionen Euro“ entstanden sei.

Bei den weiteren Vorwürfen geht es um die Vermietung von mehreren tausend Quadratmetern im selben Anbau des Hotel Adlon. Vermietet wurden diese Flächen von einer Firma aus der Jagdfeld-Gruppe. Mieter war eine Firma, die ebenfalls zu seiner Gruppe gehört. Im Anbau ist heute der „China-Club“ untergebracht, den Jagdfelds Ehefrau eingerichtet hat, es gibt Restaurants und einen Spa-Bereich. Doch die Pacht für diese Flächen floss nicht in vereinbarter Höhe an den Vermieter. „Jagdfeld soll für die Vermieter auf Mietzinsverpflichtungen verzichtet und Schadenersatzansprüche anerkannt haben, die nicht bestanden hätten“, sagt Krey über die Anklage. Auch dadurch soll ein „Vermögensschaden“ von „mehr als acht Millionen Euro entstanden sein“.

Auch dies bestreitet Fonds-Multi Anno August Jagdfeld und verweist auf die Beschlüsse des Fonds. Aber nach Angaben des Rechtsanwaltes der Anleger Fritsch soll das Oberlandesgericht Köln festgestellt haben, dass diese Beschlüsse unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erwirkt worden seien. Nun muss das Landgericht Aachen prüfen, ob die Vorwürfe für ein strafrechtliches Verfahren ausreichen. Ralf Schönball

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