Wirtschaft : Gericht weist Vioxx-Klagen zurück Opferanwalt kündigt weitere Prozesse an

Maren Peters

Berlin - Das Landgericht Berlin hat am Mittwoch die Klagen zweier Vioxx-Opfer gegen den Hersteller des umstrittenen Schmerzmittels in einem erstinstanzlichen Urteil zurückgewiesen. Vioxx war 2004 wegen erheblicher Nebenwirkungen vom Markt zurückgezogen worden.

Im ersten Fall hatte eine 60-Jährige, die mit Vioxx behandelt worden war, Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 80 000 Euro verlangt, weil sie wegen der längeren Einnahme des Mittels Herzprobleme bekommen habe. Die 22. Zivilkammer des Landgerichts kam aber zu dem Urteil, „dass die Klägerin nicht dargelegt habe, dass das Medikament Vioxx konkret geeignet war, die bei ihr auftretende Erkrankung hervorzurufen“, wie das Gericht mitteilte. Im zweiten Fall wollte ein 61-Jähriger nach einem Herzinfarkt das Recht auf Auskunft über bekannte Nebenwirkungen von der Firma MSD Sharp & Dome erstreiten, der deutschen Tochter des amerikanischenVioxx-Herstellers Merck & Co. Das Landgericht wies auch diese Klage zurück. Der Kläger habe „nicht die notwendigen Tatsachen vorgetragen, die einen Schluss darauf zuließen, dass zwischen der Einnahme des Arzneimittels und dem konkreten Schaden ein Zusammenhang bestehe“ (AZ 22 O 122/06; 22 O 75/06).

Der Berliner Rechtsanwalt Jörg Heynemann, der die Klägerin vertritt, reagierte empört auf die schnelle Urteilsverkündung. Noch am Morgen habe der zuständige Richter gesagt, er könne den Fall nicht abschließend beurteilen, weil er die umfangreichen Schriftsätze nicht gelesen habe, sagte er dem Tagesspiegel. Dagegen sagte eine Sprecherin des Landgerichts, die Entscheidung sei „am Schluss der Sitzung“ verkündet worden. Selbst wenn die Anwälte den Saal schon verlassen hätten, sei dies zivilrechtlich nicht zu beanstanden. Heynemann erwartet, dass diese und weitere Fälle – rund 200 Klagen sind in Vorbereitung – bis vor den Bundesgerichtshof gehen. „Ich rechne mit einem langen Prozessverlauf.“

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