Wirtschaft : Geringe Umsätze beim Online-Handel

NEW YORK (su/HB). Wer aus dem Ausland Blumen in eine deutsche Stadt senden will, für den gibt es eine ganz einfache Lösung: das Internet. Unter www.fleurop.de zum Beispiel kann sich der Kunde einen Strauß aussuchen und einen Spruch für die Karte dazuschreiben. Der Kauf dauert keine fünf Minuten, Sprachschwierigkeiten und Zeitverschiebung spielen keine Rolle - Internetseiten haben immer und überall geöffnet.In solchen Fällen ist das weltumspannende elektronische Netz unschlagbar. Aber beim täglichen Einkauf wählen die meisten Menschen noch den traditionellen Weg - sogar im technikbegeisterten Land USA: Rund 90 Prozent der Ausgaben der US-Amerikaner im Einzelhandel - gegenwärtig immerhin 1,6 Bill. US-Dollar -, nehmen die traditionellen Läden und Warenhäuser ein. Auf Internethändler entfallen verschwindend geringe 2 Prozent. Das soll sich aber ändern: In den kommenden fünf Jahren würde der Handel per Internet seinen Marktanteil auf 15 bis 20 Prozent erhöhen, erwarten die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs. In diesem Jahr geben die Amerikaner voraussichtlich 12 Mrd. Dollar via Internet aus - fünf Mrd. mehr als 1998.Am erfolgreichsten praktizierten bisher die amerikanischen Reisebüros den Web-Verkauf, fand die aufs Internet spezialisierte Marktforschungsagentur Harris Interactive heraus: Mehr als die Hälfte der Amerikaner planen ihren Urlaub online. Auch bei den Umsätzen liegen diese Agenturen vorn: Sie verbuchen fast ein Drittel aller Erlöse aus Internet-Verkäufen. Bei Büchern sieht das Verhältnis weniger günstig aus: 46 Prozent der von Harris befragten Amerikaner informieren sich zwar im Netz über Bücher. Doch der Anteil der Buchhändler am Online-Umsatz liegt nur bei fünf Prozent.Das ist das größte Problem vieler Online-Händler: Die Kunden informieren sich im Netz über das Angebot - gekauft wird aber weiterhin im Geschäft. Bei der Umfrage von Harris antworteten 72 Prozent der Befragten, sie hätten sich im vergangenen Monat online über Angebote informiert, aber nur knapp ein Fünftel hat auch online gekauft.Trotzdem gehört es für viele Einzelhändler heute einfach dazu, ihr Angebot auf einer Internetseite zu präsentieren. Die Konkurrenz ist entsprechend groß und die Verbraucher sind wählerisch. Auf vielen Seiten werden Käufer deshalb mit kostenlosen Geschenken gelockt: Marktforscher fanden heraus, daß fast die Hälfte der Online-Käufer einer Seite treu bleiben, wenn sie dafür etwas bekommen. Viele seien sogar bereit, mehr auszugeben, wenn sie beim Kauf ein Geschenk erhielten.Je beliebter und anerkannter das Internet als Einkaufszentrum jedoch wird, um so mehr werden die Kunden für den Einkauf im weltumspannenden Netz zusätzlich zu zahlen bereit sein. Die Analysten von Goldman Sachs sind überzeugt, daß die Waren im Internet eines Tages teurer sein werden als im traditionellen Warenhaus. Schließlich spare sich der Kunde den lästigen Gang ins Geschäft, wenn er beispielsweise nur ein bestimmtes Buch zu besorgen hätte. Die bequeme Bestellung per Internet und die Lieferung frei Haus sei für ihn ein Mehrwert, für den er zu zahlen bereit sei. Bei " www.amazon.com " oder " www.barnesandnoble.com " braucht der Konsument nur einmal kurz ins Internet zu schauen, die Seite aufzurufen und den Bestellschein auszufüllen - und kann dabei im Lehnstuhl sitzen bleiben. Einen Tag später bringt der Briefträger das Buch ins Haus.

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