Wirtschaft : Geringerer Zinsertrag lässt Bundesbank-Gewinn um mehr als die Hälfte schrumpfen

Der Gewinn der Deutschen Bundesbank hat sich im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Wie Bundesbankpräsident Ernst Welteke am Donnerstag in Frankfurt mitteilte, überwiesen die Währungshüter 1999 als Bilanzgewinn 3,903 Euro (rund 7,61 Milliarden Mark) an die Bundesregierung. Das sind 4,4 Milliarden Euro weniger als im Jahr 1998, in dem die Bundesbank 8,3 Milliarden Euro Gewinn verzeichnet hatte. Nach den Worten Weltekes ging im vergangenen Jahr vor allen Dingen der Zinsertrag von 6,8 auf fünf Milliarden Euro zurück. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Hans Georg Wagner, sagte, der Rückgang des Bundesbank-Überschusses bereite für den Bundeshaushalt "keinerlei Probleme". Als Bundesanteil am Reingewinn der Bundesbank seien im Budget des laufenden Jahres sieben Milliarden Mark eingestellt. "Dieser Betrag wird angesichts der Höhe des Bundesbankgewinns erreicht", betonte der SPD-Experte. Der überschießende, "wenn auch nur relativ geringe", Anteil werde gemäß dem Haushaltsrecht zur Schuldentilgung eingesetzt.

Ein optimistisches Bild zeichnete Bundesbankpräsident Welteke von der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Aller Voraussicht nach werde das Wachstum im Jahre 2000 auf drei Prozent ansteigen nach lediglich 1,5 Prozent im vergangenen Jahr. Welteke wies darauf hin, das vereinzelt sogar ein Wachstum von mehr als drei Prozent vorhergesagt werde. Als Indikatoren für die Erholung der Konjunktur nannte Welteke den Export, aber auch den privaten Konsum und einen Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen. Auch für die kommenden Jahre sei eine Fortsetzung des Aufschwunges zu erwarten.

Besorgt äußerte sich Welteke über die Bewertung des Euros gegenüber dem Dollar. Die Wechselkursschwäche der Europäischen Gemeinschaftswährung sei "mehr als ein Schönheitsfehler". Zwar stecke im Euro ein erhebliches Aufwertungspotenzial, doch sei dies noch nicht zum Tragen gekommen. Welteke verwies auf die Gefahr einer erhöhten Inflationsrate, falls sich der Wechselkurs des Euros nicht bessere. Langfristig werde sich die innere Stabilität des Euroraumes aber positiv auf den Außenwert der Gemeinschaftswährung niederschlagen.

Das Scheitern der Fusion zwischen der Deutschen und der Dresdner Bank bedauerte Welteke. Der geplatzte Zusammenschluss sei ein Rückschritt für die Entwicklung des Bankensektors, sagte der Bundesbankpräsident. Darüber hinaus sei das Image der beiden Banken beschädigt worden. Die beiden Finanzhäuser hätten die Bundesbank am Vortag über den Abbruch der Gespräche informiert. Doch sei das Thema auf der Ratssitzung der Bundesbank am Donnerstag nicht ausführlich diskutiert worden, sagte Welteke.

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