Wirtschaft : Germain Hagenbach

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Ein Franzose in Berlinhej

Dieser Mann hat einiges von der Welt gesehen.Als er über den Globus - genauer gesagt durch 82 Staaten dieser Erde - jettete, um für den Elf-Konzern den globalen Absatz von Marineschmierstoffen zu organisieren, da war das Flugzeug sein Zuhause."Das Schlafzimmer war meist die Boeing 747", erinnert sich an die aufreibende Reisezeit.Freitag Gründung einer Vertriebsgesellschaft in Argentien, Montag Gespräche in Tokio - das kostet Kraft.Doch der Aufwand hat sich bezahlt gemacht: Hagenbach wurde von der Konzernzentrale in Paris mit Größerem bedacht.1992 schickte Elf den damals 46jährigen Manager als "Geschäftsführer Industrie und Verbrauchergeschäft" nach Berlin.Er sollte die Übernahme und Integration des ostdeutschen Mineralölkombinats Minol organisieren und die neu gegründete Gesellschaft Elf Oil Deutschland GmbH, die ihren Sitz an der Spree hat, aufbauen.Ein "Abenteuer", sagt Hagenbach heute, das nicht selten einen Arbeitseinsatz von 12 bis 13 Stunden am Tag verlangte.Inzwischen ist das Gröbste geschafft, dieses Jahr will man erstmals schwarze Zahlen schreiben. Geholfen haben ihm jene Eigenschaften, die er auf seinen Reisen kultiviert hatte.Allen voran Flexibilität und der Wunsch, "Mentalitäten zu begreifen".Die Deutschen zu verstehen, fällt ihm, dem gebürtigen Elsässer, leichter als vielen anderen Franzosen: "Wir sind doch alle Alemannen".Um das deutsch-französische Verhältnis bemüht sich Hagenbach auch im Club des Affaires, dessen Vorstandsvorsitzender er seit kurzem ist.Der Verein will die deutsch-französischen Geschäftsbeziehungen und den Informationsaustausch zwischen hiesigen Geschäftsleuten und französischen Investoren verbessern.Das ist nicht nur gut fürs Geschäft, gibt Hagenbach zu, auch privat entstünden so enge Bande. Ins Schwärmen gerät der Hobbygolfer und Pferdeliebhaber - das englische Vollblut "Le Vénitien" steht im Grunewald -, wenn er über die Freizeitangebote der Stadt spricht.Die Ausritte im Grunewald mag er genauso wenig missen, wie die Kultur."Um halb acht im Büro, um viertel vor acht in der Philharmonie, um acht bei Abbado, um zehn auf dem Kudamm essen und um elf im Bett, das wäre in Paris nicht möglich", weiß der zweifache Familienvater. Statt sich in französischen Zirkeln abzuschließen, sucht Hagenbach die Nähe zu den deutschen Mitbürgern.Große kulturelle Unterschiede gebe es schon, räumt er ein, nicht zuletzt bei der Küche."Aber ich kann auch Rotkohl essen und ein Eisbein", sagt der Elf-Mann schmunzelnd.Denn je näher man den Leuten ist, desto besser kann man als Vertriebschef die Märkte einschätzen.Und man lernt immer mehr dazu.Wer weiß, welche Pläne die Konzernchefs in Paris mit Germain Hagenbach noch haben?

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