Wirtschaft : Germanwings baut Berlin-Geschäft aus

Billigflieger bietet 34 zusätzliche Flüge pro Woche / Konkurrent Easyjet erhöht Gewinnprognose

Bernd Hops

Berlin - Die Billigfluggesellschaft Germanwings erweitert ihr Angebot in Berlin. Zum 15. September werde eine weitere Maschine am Standort Schönefeld stationiert, sagte Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein dem Tagesspiegel am Freitag. Der Flugplan werde zum Teil bereits im September und zum Teil zur Wintersaison ausgebaut. 34 zusätzliche Flüge werde es pro Woche geben, sagte Klein. Gegenüber heute ist das ein Plus von gut einem Drittel. Insgesamt rechne die Lufthansa-Tochter auch in diesem Jahr mit schwarzen Zahlen. Der „unsichere Parameter“ bleibe aber der – jüngst wieder gestiegene – Ölpreis, sagte Klein. Der größte Konkurrent der deutschen Gesellschaft in Schönefeld, der britische Billigflieger Easyjet, erhöhte trotzdem seine Prognose für das Gewinnwachstum am Freitag deutlich. Ursprünglich war mit einem Plus vor Steuern von zehn bis 15 Prozent ausgegangen worden, jetzt sollen es 40 bis 50 Prozent werden.

Die Billigflieger haben auch von der Fußball-WM in Deutschland profitiert. Easyjet hatte im Juni 15,6 Prozent mehr Passagiere (rund drei Millionen). „Trotz der Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der WM auf nicht deutsche Strecken konnten wir im gesamten Flugnetz gute Ergebnisse erzielen“, sagte Easyjet-Chef Andy Harrison. Der traditionelle Luftfahrtkonzern Air France-KLM meldete einen Zuwachs bei den Passagierzahlen im vergangenen Monat von 5,9 Prozent – allerdings mit besonders hohen Steigerungen im Asien-Geschäft. Germanwings-Chef Klein sagte wiederum: „Die WM hat sich vor allem innerdeutsch positiv für uns ausgewirkt.“ Für den Finalsonntag würden zusätzliche Flüge angeboten, außerdem sei die Auslastung gestiegen. Das werde auch dem Standort Berlin weiterhelfen, sagte Klein.

Germanwings nimmt ab Berlin zum 15. September die pfälzische Stadt Zweibrücken mit einer Morgen- und Abendverbindung in den Flugplan auf. „Wir wollen diese Region stärker anbinden“, erklärte Geschäftsführer Klein. Die Pfalz sei zum einen touristisch interessant. Attraktiv werde Zweibrücken auch durch das dortige Designer-Outlet. Hier würden Gespräche geführt, um den Germanwings-Kunden Vorteile zu bieten. „Wie die aussehen, ist aber noch unklar“, sagte Klein. Innerdeutsch werden außerdem die Verbindungen Richtung München und Stuttgart ausgebaut. Die bayerische Hauptstadt werde von Berlin noch im Sommerflugplan statt bisher nur dreimal pro Tag fünfmal angeflogen. Nach Stuttgart gebe es ab dem Winter vier tägliche Verbindungen – eine mehr als heute.

Neben Deutschland will Germanwings von Berlin aus auch den osteuropäischen Markt in Zukunft stärker erschließen. Ab dem Winter werde man Sankt Petersburg zweimal pro Woche anfliegen, sagte Klein. Richtung Moskau gehen dann wöchentlich sechs Flüge – doppelt so viel wie heute.

„Unser Ziel ist es nach wie vor, in diesem Jahr in Berlin die Marke von 1,5 bis 1,6 Millionen Kunden zu erreichen“, sagte Germanwings-Chef Klein. Im vergangenen Jahr waren es noch 880 000. Da noch die „sehr guten Monate“ September und Oktober im Angebot seien, „bin ich sehr positiv eingestellt“, sagte Klein. Längerfristiger sollen es dann zwei Millionen Kunden ab Berlin werden.

Germanwings schaffe mit der Expansion auch zusätzliche Arbeitsplätze, sagte ein Unternehmenssprecher dem Tagesspiegel. Derzeit arbeiteten in Berlin etwa 70 Menschen für den Billigflieger. Mit dem weiteren Flugzeug kämen 30 bis 35 Jobs hinzu.

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